In der Weihnachtsnacht 1332 brannte Dammstadt komplett nieder. Und sollte der geneigte Leser jetzt, noch nie etwas von Dammstadt gehört haben, so ist das nicht ganz verwunderlich, denn die Geschichte des kleinen Städtchens, vor den Toren der Domstadt Hildesheim, endete in dieser tragischen Nacht.
Dammstadt war, letztlich, einem Konflikt um das Bischofsamts Hildesheim zum Opfer gefallen. Zwar war der von ihnen unterstütze Kandidat Heinrich III. derjenige, der sich letztlich durchsetzte, der von den Hildesheimer Bürgern unterstütze Erich von Holstein-Schauenburg, veranlasste zuvor aber den vernichtenden Angriff. Auch wenn lange Zeit, die Hildesheimer Bürger, als die Hauptangreifenden beschrieben wurden, ist unklar, ob sie überhaupt direkt an dem Angriff beteiligt waren. Im darauffolgenden Jahr versöhnten sich sich jedenfalls mit Heinrich III. zahlten eine nette Stange Geld an ihn und bekamen Vergebung und – auch ganz nett – praktisch alles an Land und noch bestehenden Befestigungsanlagen der zerstörten Dammstadt.
Aus Sicht des Rollenspiels gibt es, vor allem, Zwei Dinge, die mich daran faszinieren.
Zum einen, die lokalen politischen Verwicklungen und Umtriebe, die schnell in höhere Ebenen ausstrahlen und eben so rasch in regelrechte Kriege ausarten können. – Eine Stadt im Gegensatz zu einem Bischofsamt, gleichzeitig in Konkurrenz mit einer aufstrebenden Stadt vor ihren Toren, von der sie sich wirtschaftlich und Militärisch bedroht fühlt, zwei Kandidaten auf das Bischofsamt, mit Unterstützung und Rückhalt auf höheren Ebenen. Das ist einfach eine tolle Grundlage, wenn man Politik und Intrigen in seine Mittelalter-Fantasy bringen möchte.
Die andere Sache ist vor allem das Bild, das teilweise von dem Angriff gemalt wurde. (Oder von mir auch, vielleicht ein bisschen selbst ausgemalt wurde): Eine kalte Winternacht, eigentlich sollte die Christenheit das Fest der Liebe begehen. Aber satt dessen erstürmt die aufgebrachte Hildesheimer Bürgerschaft ihre Nachbarstadt, massakriert deren Bewohner und brennt sie nieder.
Alles nur Auswirkungen von politischen Wirrungen, Angst und Neid? Oder waren die Hildesheimer von etwas besessen, das sie zu solch Grausamkeit trieb? Hatten sich die Dammstädter mit etwas Übernatürlichem eingelassen, dass den gerechten Zorn ihrer Nachbarn heraufbeschwor?
Am ehesten würde es mir da in den Fingern jucken ein Szenario drum zu bauen, bei dem das Ende grob feststeht: Die Dammstadt brennt. Wahrscheinlich ein Ermittlungsszenario, bei dem man in die verschiedenen politischen und übernatürlichen Verstrickungen eintauchen kann, aber am Ende wird Dammstadt eben brennen. Auf der anderen Seite, ist es echt hart, wenn man das so ohne Railroad und Gängelei umsetzen möchte. Was denn auch der Grund ist, warum ich es noch nicht gemacht habe.
Aber auch für eine klassische Abenteuerstruktur würde die Geschichte der Dammstadt und ihr dramatisches Ende genug hergeben, denke ich.
Gruß Village Idiot
Spanender Geschichtsfetzen. Gut ausgewählt.
Danke
Jan
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Beim Lesen kam mir sofort das DSA-Abenteuer Die Kanäle von Grangor von 1988 in den Sinn. Darin werden die Helden bei einem Tsunami getötet, der Grangor ausradiert, von der Göttin Rajha wiederbelebt, in einer Zeitschleife zurückgeschickt und die Stadt in einer Zeitblase eingefroren, in der sich nur die Helden und deren Gegenspieler bewegen können. Grangor ist von einem Kult des Namenlosen unterwandert und soll deswegen von den Göttern vernichtet werden, die Helden müssen den Kult aufspüren und unschädlich machen, sonst ist es wirklich um Grangor geschehen.
Ich sollte mal das Abenteuer reviewen…
In Dammstadt kann man eigentlich das gleiche hochziehen, die Zeitblase weglassen und etwas Täglich grüßt das Murmeltier einbauen. Rajhas rolle können dann Patrone der Ordnung übernehmen, die einen Pakt mit den Spielfiguren eingehen…
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Stimmt. An ein „Täglich grüßt das Murmeltier“ Szenario hatte ich gar nicht gedacht. Das ist eine gute Idee!
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Sehr gute Auswahl für einen Blogpost.
Mist, jetzt will ich eine Cyberpunk Version dieses Geschehens.
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