Ich habe mir vorgenommen, ein bisschen aus meiner Bubble rauszukommen und zu schauen, was andere Leute so tun. Angefangen hatte ich mit dem Weiterdenken einer Liste von rpgDan. Was ich dabei vergaß zu erwähnen: Das sollte mein Versuch sein, mal zu sehen, was bei der Szene rund um das Spiel Midgard so los ist. Klassischer Fail würde ich sagen, denn weder Daniels Artikel, noch meiner hatte irgendwie mit Midgard zu tun. Das hole ich irgendwie noch nach.
Diesmal also alles besser machen: Ich wage mich in die Welt des Schwarzen Auges und schaue mal, wie es in Aventurien so läuft. Und siehe da: Bei Nandurion wurde gerade eine Umfrage zur State of the community ausgewertet. Nice. Eine Thema-Verfehlung wie beim letzten Mal ist selbst mit viel Kreativität kaum möglich.
Corona war doof
Die Pandemie hat alles verändert. Auch die Rollenspielszene an sich. Das fällt natürlich auch der DSA-Community auf. Viele Aktivitäten wurden eingestellt. Discord boomt dafür. Ich habe die gleiche Meinung, wie auf Nandurion vorgestellt wird. Es ist zwar schön, dass auf Discord viel Betrieb ist, aber dadurch haben sich aus einer (oder drei) großen Szene unzählige kleine Szenen entwickelt. Das ist schade, darum habe ich ja mit dieser Rubrik angefangen.
Natürlich nimmt jede größere Online-Plattform wie pen-and-paper.info irgendwie für sich in Anspruch, DER Treffpunkt der Szene zu sein, aber so läuft das halt nicht. Am Ende werden die Plattformen relevant bleiben, die am besten den Nachwuchs abholen. Keine Ahnung, wer das ist. Überall, wo ich hingehe, schaue ich in bärtige und/oder faltige Gesichter. 😀
Die Jugend von heute
Junge Spieler haben es auch wirklich nicht leicht, in die Strukturen langjähriger Communitys hineinzukommen. Das nimmt auch die Umfrage bei Nandurion wahr. 38 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich diese Kluft vertieft habe. Glaube ich unbesehen. Junge Leute holen sich ihre Informationen lieber aus Bewegtbild als sie zu lesen. Wenn man ein Rollenspiel wie DSA verlegt, sollte das eventuell noch mehr berücksichtigt werden.
23 Prozent der Befragten finden, dass die Szene weniger toxisch ist. Dem würde ich auch zustimmen. Dank der jüngeren Generation, die generell einfach zwischenmenschlich besser ist, als wir ältere. „Trau keinem über 30“ ist und bleibt einfach korrekt.
Fazit vom Fazit
Nandurion zieht das Fazit, dass die Community ruhiger und netter geworden ist, aber auch weniger leidenschaftlich. Die Sturm und Drang-Phase ist nach 40 Jahren verständlicherweise eben mal vorbei. DSA war aber eben auch immer schon ein ziemliches „closed system“, in dem wenig akzeptiert wurde, was nicht direkt von dem aktuell gerade zuständigen Verlag gesagt und gemacht wurde.
Dungeons & Dragons (und die OSR) dagegen ist deshalb so erfolgreich, weil es geradezu dazu auffordert, dass die Leute selber Sachen machen. „Homebrew“ ist Standard, nicht außergewöhnlich. Dadurch bleibt das System im Gespräch und ist extrem interessant für Content Creators. Letztlich macht WotC ja auch selten was Neues, sondern gießt immer wieder alten Kram auf. Wenn sie doch was Neues machen, ist das meist nicht sonderlich gut. Also MUSS man eigentlich selbst was machen. Man könnte fast Kalkül unterstellen.
Bleibt die Frage: Kann DSA noch eine Community werden, die sich selbst und gegenseitig befeuert, indem neue Inhalte auf Basis dieser Lizenz hergestellt werden? Oder bleibt DSA eine Community, in der „Homebrew“ bestenfalls mit einem gezwungenen Lächeln zur Kenntnis genommen wird?
Stay tuned!
-Seba
@kritischerfehlschlag.de Ich bin auch gespannt, was unter der ELF-Lizenz kommen wird, aber ich sehe auch das Problem, dass es Third-Party-Content schwer hat und als Nicht-Canon auch nicht ernst genommen wird.
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@kritischerfehlschlag.de mit pen-and-paper.info hatte ich schon lustige gespräche, da darf man nur suchen wenn man dann auch deren Discord zum spielen der runde nutzt. :rm_what: :rm_bitter:
Ich finde es immernoch schrecklich das Discord eine so zentrale Rolle im online Rollenspiel eingenommen hat.
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„DSA war aber eben auch immer schon ein ziemliches „closed system“, in dem wenig akzeptiert wurde, was nicht direkt von dem aktuell gerade zuständigen Verlag gesagt und gemacht wurde.“
Das ist so nicht korrekt. Von der Anfangszeit bis eigentlich gegen Ende der 4. Edition hin lebte DSA stark vom Input der Fans. Das Baronien-Briefspiel gestaltete in den 90ern wesentlich den Hintergrund mit, praktisch alle Autoren kamen aus dem Fandom. Ab den 2000ern gab es zahlreiche einflussreiche Fan-Seiten (ich nenne mal beispielhaft Alveran.de, die Selemer Tagebücher, Windfeders Wolkenturm, vinsalt.de….), deren Betreiber teils ebenfalls in den offiziellen Kanon „aufstiegen“. Es gab viele anerkannte Stimmen in und aus der Community mit Drähten in die Redaktion – Stichwort „Beilunker Reiter“, Nandurion und so weiter. Auch unser Podcast „Sphärengeflüster“ ist als kleines Fanprojekt gestartet und hat in kürzester Zeit großes Echo gefunden.
Der Niedergang begann (meiner Ansicht nach) mit der Einstellung des verlagseigenen Forums (nein, Discord ist kein Ersatz für ein Forum) und dann eben DSA 5, das von Beginn an eine gänzlich andere Publikationsstrategie als noch DSA 4 fährt und engagierte Fans als „Content Creators“ für die eigenen Monetarisierungsplattformen des Scriptoriums heranzieht.
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Hi, vielen Dank für den Einblick! So tief steckte ich nie drin. Von meiner Warte sah es immer so aus, als müssten DSA-Dinge „offiziell“ sein, um von Leuten wahr- und ernstgenommen zu werden. Gibt es gute Kampagnen oder sowas aus dem Fan-Umfeld?
MfG,
Seba
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Abenteuer und Kampagnen gab es naturgemäß wenige mit „Impact“, vor allem hat das Fandom viel sehr liebevolle Settingdetails ausgearbeitet – Sprachen, Orten, NSCs, Spielhilfen (z.B. „Magierlatein“).
Sicher war offizielles Material stets besonders kanonisch, aber die Leitung zwischen Autoren und Fandom war bis in die mittleren 2010er-Jahre meiner Wahrnehmung nach relativ kurz.
Nichtsdestotrotz hast du natürlich recht damit, dass Homebrew in DSA nicht den gleichen Stellenwert hat wie in D&D, eben wegen der einen, sehr ausgearbeiteten Hintergrundwelt.
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