Ich habe eine Weile lang über dieses Thema nachgedacht, wie ich es aufbereite und welche Überschrift ich überhaupt verwende.
Entschieden habe ich mich für eine sehr direkte Frage, die in Teilen anschneidet worüber ich eigentlich sprechen möchte und was ich damit bezwecken will.
Aber bevor ich das erkläre, komme ich gleich zum Punkt:
Warum möchten deine Charaktere die Klassen/Archetypen sein, die du für sie gewählt hast und weshalb wollen sie darin besser werden?
Wir wissen, weshalb DU diese Klassen/Archetypen gewählt hast. Du möchtest sie spielen und ihre Fähigkeiten ausprobieren oder schlichtweg eine gewisse Rolle erfüllen.
Manchmal wissen wir auch, WIE oder WARUM deine Charaktere dereinst dazu kamen, diese Lebenswege einzuschlagen.
In meiner Erfahrung bleibt es leider oft nur bei diesen beiden Begründungen.
Sie erfüllen einen gewissen Nutzen oder eine Grundannahme.
Manchmal spielen wir Krieger, weil wir nichts komplexes spielen wollen oder Zauberwirker, weil wir uns fordern wollen.
Diese Annahmen gelten beiweitem nicht für jedes Spiel aber die Tendenzen sind klar.
Aber was selten beleuchtet wird ist, was die eigenen Charaktere über SICH SELBST denken. Warum sie sein WOLLEN, was oder wer sie sind.
Die Antworten auf diese Fragen bieten ungeheures Potenzial.
Es geht um weit mehr, als die Charaktere in sich schlüssiger zu machen oder das Rollenspiel anzuregen.
Sobald du beantworten kannst, WARUM deine Charaktere die Fähigkeiten haben wollen die sie besitzen und diese WEITERHIN verbessern wollen hast du eine innere Motivationsquelle für dich und deine Charaktere geschaffen, die deinen ganzen Spielfluss verändern und verbessern wird.
Diese Antworten sind mMn weit wichtiger als der Hintergrund der Charaktere, deine Crunch-Pläne oder sogar die Geschichte deiner Spielleitung.
- Deine Charaktere formen eine eigene Meinung, sowohl über ihre Kenntnisse als auch über die Anderer.
- Deine Charaktere wollen sich selbst verwirklichen. Ihre Hoffnungen, Wünsche und Ängste werden greifbarer und du kannst leichter Pläne für ihre Zukunft schmieden.
- Du erkennst, ob dein Charakter eine „tragische“ Figur ist, die weder auf das Abenteuer gehen, noch die Fähigkeiten besitzen möchte, die sie hat.
In meiner Erfahrung solltest du nach dieser Erkenntnis den Charakter oder dessen Klasse/Archetyp nocheinmal überdenken oder einen neuen Charakter schaffen.
Dein Spieltisch wird es dir danken, denn ein reaktiver Charakter, der zum Abenteuer gezwungen werden muss, ist nur für eine sehr kurze Zeit unterhaltsam. - Deine Charaktere agieren mehr, als zu reagieren. Die Spielwelt wird zunehmend ein Spielplatz für dich, als ein undurchsichtiges Rätsel.
Wenn ich meine Punkte verständlich rübergebracht habe, könnt ihr erkennen wie wichtig eurer Charaktere Meinung über sich selbst ist.
Wir trennen häufig den Crunch (hier: Spielwerte oder Fähigkeiten, ect) vom Fluff (hier: Charakterspiel, Drama, Interaktion), doch diese beiden Punkte einander informieren und beeinflussen zu lassen ist mMn spielbereichernd wenn nicht sogar notwendig.
Bis dahin!
~ euer Ölbaumpflanzer
@kritischerfehlschlag.de Naja, je nach Spiel kann die Charakterklasse auch etwas sein, was man sich eben nicht selbst aussucht. Wer dich gebissen hat (Vampire), welches Mondzeichen du hast (Werwolf), wo du aufgewachsen bist (7te See).
In den Spielen ist es dann ganz typisch, den Charakter explizit gegen den formalen Archetyp zu spielen.
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