Dieser Eintrag zu unserem Piece-of-History-Monat ist ein Gastbeitrag von Micha, aka Kreggen. Er hat sich Julius Cäsar vorgenommen und in die jüngere Vergangenheit gezerrt. Heraus kommt ein wunderbares Szenario für Mythos World und ähnlich cthuloide Spiele und Settings.
Der Geist im alten Polizeipräsidium
Hamburg 1925 – eine Stadt aus Dampf, Dreck und Devisen aus Übersee. Die Elbe war Lebensader und Schmugglerpfad zugleich, ihre Kaianlagen voller fluchender Hafenarbeiter, zwielichtiger Gestalten und Ganoven und Polizisten, die gerne mal wegschauten oder gleich die Hand aufhielten.
Zwischen den roten Sandsteinfassaden der Speicherstadt roch es nach Kaffee und Tee, fremden Gewürzen und hin und wieder nach Verrat und Mord.
In den Hinterzimmern der Reeperbahn mischten sich Jazz, Morphium und politische Parolen. Die Stadt war zerrissen zwischen Weltstadt-Ambition und Nachkriegs-Elend, zwischen hanseatischer Fassade und revolutionärem Groll. Die Prostitution florierte, die Polizei patrouillierte – doch nachts gehörte Hamburg den Schatten.
Über allem lag der dumpfe Herzschlag einer Stadt, die nie schlief und manchmal, wie im Wachkoma, vor sich hin flackerte.
Zwischen St. Pauli und den Landungsbrücken erzählte man sich zu dieser Zeit eine Geschichte, die kaum einer laut aussprach — nicht wegen des Unglaubens, sondern aus Angst.
Im alten Polizeipräsidium am Johannisbollwerk, das seit Jahren leer stand, sollte ein Geist umgehen. Nicht irgendein namenloser Geist. Nein, es ging um die ruhelose Seele von Julius Caesar Hammerschmidt, dem gefürchtetsten Landgerichtsrat des Nordens.
Julius C. Hammerschmidt war einst mehr als nur ein Richter. In der chaotischen Zeit nach dem Großen Krieg hatte er als Sonderbevollmächtigter des Innenministeriums Hamburg mit harter Hand „gesäubert“: Schmuggler, Aufrührer, politische Gegner – alle verschwanden, wenn Julius in seinem roten Fuchshaar-Mantel durch die Gänge schritt. Und er hortete Reichtümer: Bestechungsgelder, geraubte Goldzähne, sichergestellte Juwelen aus dunklen Quellen. Er bunkerte sie irgendwo im Kellergewölbe des Präsidiums. Hier soll sich auch die geheimnisvolle Kiste der Bark MADELEINE befunden haben, voll mit Büchern rätselhaften Inhalts, Schriften, die den Leser wahnsinnig machen, erzählte man sich. Magisches Zeug oder nur Hokus Pokus?
Immer gieriger wurde Hammerschmidt, immer hartherziger und grausamer. Seine Mitarbeiter erkannten, dass ihn offenbar eine Art Größenwahn befallen hatte, und solch einen Tyrannen konnte die junge Republik gerade ein Hamburg, dem Tor zur Welt, nicht gebrauchen. Der Stadtschreiber Bruno Marcus, einst ein Günstling Hammerschmidts, organisierte den Widerstand, dem sich Senatoren, Polizisten, Handelsherren und weitere Bürokraten anschlossen.
Dann, an einem regnerischen Märztag 1922, lockten ihn seine engsten Männer in den Verhörraum des Polizeipräsidiums — und erschlugen ihn dort mit Aktenmappen und erstachen ihn mit Brieföffnern.
Man sagt, sein letzter Satz war: „Auch du, Bruno…“
Seitdem sei der Geist des J.C. Hammerschmidt nie zur Ruhe gekommen, so heißt es.
Ein Wachmann, der 1924 dort übernachtete, wurde wahnsinnig. Ein Reporter des Hamburger Abendblatts betrat das alte, aufgegebene Präsidium 1925 mit einer Taschenlampe – und kam zitternd zurück, das Haar weiß wie Kreide. Er sprach von einem Mann in Richterrobe, dessen Augen glühten wie Ofenkohle, der über eine eiserne Tür wachte. Hinter dieser Tür, sagte er, hörte man leises Flüstern — auf Latein und einer weiteren Sprache, für die es keine irdische Entsprechung gäbe.
Heute behaupten einige, dass der Schatz des Julius Caesar Hammerschmidt noch immer dort liegt. Doch keiner wagt es, die eiserne Tür zu suchen oder gar zu öffnen. Nicht wegen der Polizei.
Sondern wegen ihm.
Nur eine kleine Anmerkung: Ich würde den Charakter Julius Marcus oder Marcus Julius (Marcus mit C wie Caesar geschrieben auf die Frage wie man Markus schreibt) statt Julius Caesar nennen .
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