OSR für Newbies: Welches Spiel ist das richtige für mich?

Warum dieser Artikel?

Mir fiel vor ca. 5 Jahren der Einstieg in die OSR relativ einfach: Ich konnte quasi bei meinen Spielewurzeln in den 90ern anknüpfen (jep, ich bin so alt!). Ich entdeckte außerdem OSR-Erklär-Fibeln, die sehr hintersinnig und praktisch erklärten, was bei OSR-Spielen anders als bei der Mehrheit der RPGs funktioniert.

In Foren, auf Discordservern oder auf Reddit ist jedoch offensichtlich, dass neue OSR-Interessierte oft vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen:

  • Es gab und gibt auf die Fragen von OSR-Neulingen so viele Antworten und Meinungen wie Leute.
  • Es kommt gefühlt jeden Tag eine neue OSR-Veröffentlichung hinzu.
  • Es gibt nach dem Abschalten der Google+-Community keinen zentralen Anlaufpunkt mehr, in dem sich die OSR-Gemeinde untereinander austauscht (und deshalb oft auch etwas Sprachlosigkeit zwischen den verschiedenen „Zweigen“ im OSR-Wald).
  • Und die OSR hat sich stetig weiterentwickelt, sich gehäutet und ist weitergewachsen.

Es gibt daher sehr viele, sehr unterschiedliche Spiele, die unter dem Begriff OSR zusammengefasst werden. Und dann gibt es strittige Grenzfälle, die von einigen dazugezählt werden und von anderen aus ebenso guten Gründen abgelehnt werden. Das alles sorgt nicht unbedingt für Klarheit. Ein klein wenig Überblick und Durchblick (und eine weitere Stimme im OSR-Meinungsgezwitscher 😉) soll dir dieser Artikel bieten.

Disclaimer: Zu zwei der Spielen habe ich als Hobby-Übersetzer/ -Redakteur einen direkten Bezug. Ich habe mich im Artikel um maximale Neutralität und einen möglichst umfassenden Überblick über aktuell angesagte OSR- und OSR-nahe Titel bemüht. Ich finde alle vorgestellten Spiele auf ihre Art toll! 😊

Electric Bastionland (dt.) und Mythic Bastionland (engl.)

An wen richtet sich dieser Artikel?

Aus dem Titel geht schon hervor, dass sich der Artikel an Neulinge richtet. Für Fortgeschrittene ist aber vielleicht auch der eine oder andere neue Infohappen dabei. Und wer beim Lesen schon den Reflex verspürt, mich auf Darstellungsfehler oder ausgelassene Infos hinzuweisen: Auch du bist willkommen, vielleicht ist meine stark geraffte Zusammenfassung für Newbies ja nicht 100%ig korrekt, aber als erste Orientierungshilfe doch ganz passabel.

Eine (wirklich) kurze Geschichte der OSR

Ich sprach eben von verschiedenen „Zweigen“ der OSR. Vielleicht ist Generationen der passendere Begriff (und es gibt zig andere Unterteilungsmöglichkeiten; diese funktioniert für mich halt ganz gut): Der Geburtsmoment der OSR war die Jahrtausendwende. D&D nahm mit der neuen 3. Edition (kurz: 3e) eine radikal andere Richtung, die vielen Fans der klassischen Regeln wenig behagte. Gleichzeitig mit 3e kam die Open Game License (OGL) heraus. Sie gewährte ungewöhnlich viele Freiheiten, und bald wurden mit ihr nicht nur wie vorgesehen 3e-Abenteuer geschrieben. Findige Fans der klassischen Regeln versuchten mit ihrer Hilfe, die damals nicht mehr gedruckten Regeln älterer Editionen nachzubilden.

So entstand die erste Generation von OSR-Spielen, die oft als Retroklone bezeichnet werden: Sie ahmen ihre Vorbilder aus den Jahren 1974 bis ca. 1990 nach, stellen die Regeln oft etwas übersichtlicher als im Original dar und vereinfachen oder erweitern die Regeln hier oder da. Wer sich an dieser Stelle fragt, ob sich die Spiele sehr voneinander unterscheiden: Nein, die Regeln sind gefühlt zu 90 % identisch. Spürbar mehr und detailliertere Regeln haben die Spiele, die AD&D nachbilden. Die D&D-Klone sind meist deutlich kompakter. Beispiele für Retroklone sind OSRIC (auf deutsch: ALRIK), Swords & Wizardry und OSE.

Die zweite Generation baute auf diesem Rezept auf: Entweder wurden die Regeln ganz stark in Richtung besonderer Settings oder Genres weiterentwickelt und/oder es wurden die klassischen Regeln um andere Regelkonzepte erweitert. Ein Beispiel für eine „Regel-Setting-Kombination“ ist Dolmenwood. Ein Beispiel für ein Spiel mit neuen Regelelementen ist Beyond the Wall.

Die dritte Generation erregt aktuell die meiste Aufmerksamkeit: Teilweise durch ein sehr buntes, sehr stark künstlerisch beeinflusstes Layout und Design (Mörk Borg). Meistens durch ultraknappe Regeln, die mitunter auf ein bis zwei Dutzend Seiten passen. Oft wird in diesen Spielen die pure Essenz – die Spielphilosophie von D&D – eingefangen (Cairn), und mit sehr ungewöhnlichen Settings kombiniert (Electric Bastionland). In einigen Fällen werden diese Designprinzipien auch auf gänzlich andere Settings übertragen (z.B. Mothership für Space Horror). Diese Spiele bieten oft total neue und ungewöhnliche Ansätze, die deutlich aus den Grundmotiven von D&D ausbrechen. Durch die unheimlich eingedampften Regeln setzen sie allerdings oft eine etwas erfahrenere Spielleitung voraus, die mit den daraus resultierenden vielen spielerischen Freiheiten umgehen kann. Es gibt nicht grundlos zu einigen der neuesten und besonder radikal einfachen Spiele dieser Kategorie etliche Tutorials und Blogartikel mit Tipps, die Hilfestellungen und Leitlinien „nachliefern“ (z.B. für Mythic Bastionland).

Treffen der Generationen: Lamentations of the Flame Princess, Into the Odd und OSE (alle engl.)

Welches RPG ist nun das richtige für mich?

Das ist genau die richtige Frage! Es gibt nicht das eine beste Spiel für Alle, auch wenn auf deine bisherigen Fragen dazu garantiert ein Antwortender sein Lieblingsspiel besonders ans Herz legt. Aber sein Geschmack muss ja nicht dein Geschmack sein. Und sein Lieblingsspiel nicht deines.

Betrachte das folgende als eine Art Checkliste. Die Auflösung folgt gleich danach. Zähle einfach, welchen Lösungsbuchstaben du am häufigsten ausgewählt hast:

1) Du möchtest vorwiegend folgende Abenteuer spielen:

  • klassische Abenteuer aus diesem riesigen Fundus von 1974 bis 2000 und neue klassisch inspirierte OSR-Abenteuer (A).
  • kompakte, schnell spielbare, kreative Abenteuer und Szenarien (B).
  • Du liebst bestimmte Genres: Grusel/Horror, Swords & Sorcery, Abenteuer im Märchenwald, Jugendliche auf ihrem ersten großen Abenteuer außerhalb ihres Dorfes u.a.m. (C)
  • sehr schräge (in OSR-Sprech: „weirde“) Over-the-top-Abenteuer (B).
  • Du hast schonmal von Hexcrawls gehört, und du willst mit deiner Gruppe diese besondere Form der Erforschung einer unbekannten Wildnis voller Gefahren und Schätze erleben (A).
  • Die Abenteuer sollten ein bestimmtes Genre/Setting bestmöglich unterstützen. Generische (allgemeingültige) Abenteuer (ohne spezifisches Setting) findest du langweilig (C).
Beyond the Wall (dt., Regelband und zwei Erweiterungsbände)

2) Bei den Regeln des Spiels ist dir folgendes wichtig:

  • Du möchtest alte Abenteuer direkt leiten können und nicht langwierig Spielwerte umrechnen („konvertieren“) müssen (A).
  • Spielwerte in Abenteuern zu konvertieren ist dir nicht so wichtig. Das machst du eher aus dem Gefühl oder mit Guidelines im Regelwerk (B).
  • Du möchtest nicht langwierig Abenteuer vorbereiten, sondern rasch ins Spiel kommen (C).
  • Du möchtest mit deinem Charakter eine lange Karriere erleben. Am Ende eines langen Abenteuerlebens hat er andere Welten und Existenzebenen besucht und/oder wird Herscher:in eines Reiches (A).
  • Die Regeln sollten einen bestimmten Flair oder Besonderheiten eines Settings bestmöglich unterstützen (C).
  • Dir sind modern und schlank designte Regeln wichtig. Du willst dir z.B. nicht merken müssen, ob ein Wert unter- oder überwürfelt werden muss (B).
Hyperborea RPG (engl.) und DCC RPG (dt.)

3) Die Anforderungen an deine Spielleitungs-Skills sollten sein:

  • Du möchtest keinen dicken Regelschinken, aber 10 Seiten Regeln für alle Lebenslagen sind dir etwas wenig Unterstützung beim Leiten eines Abenteuers (C & A 😉).
  • Du improvisierst gerne. Kompakte Regeln, die nicht alles durchdeklinieren, sind dir lieb. Du gerätst nicht gleich aus der Ruhe, wenn du im Spiel eigenständig Entscheidungen triffst, weil es für eine bestimmte Spielsituation keine eigenen Regeln gibt (B)

Das ist natürlich kein allumfassender Antwortautomat: Aber du wirst gemerkt haben, ob du eher zu A, B oder C tendierst. Und keine Sorge: Ein paar Empfehlungen für „Zwischenschattierungen“ hätte ich auch zur Hand.

Drei mal Borg: Mörk Borg, Cy_borg und Pirate Borg (alle engl.)

Auflösung

A steht für die erste Generation, die Retroklone:

Wenn du das eher regelleichte D&D und seine Klone spielen willst, gibt es folgende Hauptoptionen (und sehr, sehr viele weitere, deren Nennung diesen Artikel bei weitem sprengen würde!)

  • OD&D (Original-D&D, die allererste, ab 1974 veröffentlichte Version):
    • Swords & Wizardry (englisch/deutsch): auf deutsch als einziges Print-RPG mit englisch-deutscher Regelbegriffsgegenüberstellung – so lassen sich mit deutschen Regeln englischsprachige Abenteuer leichter leiten. Übersichtliches Layout und auf deutsch neu illustriert. Deutsche Druckausgabe derzeit ausverkauft, aktualisierte Neuauflage in Vorbereitung.
  • B/X-D&D (Das D&D ab ca. 1978):
    • Labyrinth Lord (englisch/ antiquarisch auf deutsch): In den Anfängen der OSR bis vor ca. 5 Jahren das Regelsystem, für das die meisten Abenteuer erschienen sein dürften. Eine Art Lingua Franca innerhalb der OSR.
    • Old School Essentials (OSE) (englisch/ deutsch in Übersetzung): OSE hat in den letzten 5 Jahren durch mehr Neuveröffentlichungen und ein vorbildlich übersichtliches Regelbuchdesign Labyrinth Lords Rolle übernommen.
    • Basic Fantasy (englisch & deutsch): ein weiterer der ersten Retroklone. Auf deutsch etwas mehr Konvertieraufwand beim Spielen deutscher Klassikabenteuer, weil es nicht ganz so dicht an der alten Regelsprache bleibt. Dafür sind alle Basic-Fantasy-Produkte kostenlos!
  • AD&D 1e (die regelausführlichere, „fortgeschrittene“ Version von D&D):
    • OSRIC (englisch) bzw. das ALRIK-Onlineprojekt (deutsch): Wenn die Regeln genauer sein sollen und auf höheren Charakterstufen ein „Austricksen“ durch bestimmte Zauber ausgeschlossen werden soll, dann ist OSRIC das richtige für dich. Auf deutsch wurden etliche Extras gegenüber dem englischen Original ergänzt (z. B. abweichende Monsterbezeichnungen anderer Retroklone und Artikel zum Spielleiten). Auf englisch ist gerade eine neue, einstiegsfreundlicher gestaltete OSRIC-3.0-Fassung in Arbeit. Die Regeln sind sehr ausführlich und es ist keine Schande, sie nicht alle zu beherrschen. 😊
Zwei klassische Retroklone: Swords & Wizardry (dt.) und Advanced Labyrinth Lord (engl.)

B steht nicht für die zweite, sondern die neueste Generation (reingelegt 😉):

  • Mörk Borg (und seine Ableger Cy_Borg, Pirate Borg u.a.m.): Zwar englisch, aber recht kurz und daher auch für Nicht-Englisch-Cracks gut verdaubar. Sehr auffälliges Layout, oft grelle Farben, ganz kurze Regeln, dystopisch, sehr tödlich für Charaktere! Es gibt von den unterschiedlichsten Drittanbietern sehr, sehr originelle und schön gestaltete Abenteuer dafür. Ihnen gemeinsam ist, dass sie meist recht kurz sind. Ein schönes System für sog. „One Shots“ (Spielerunden, die einen Abend lang dauern). Update: Pirate Borg wird auf deutsch übersetzt.
  • Cairn 1e (englisch/deutsch): Kostenlos downloadbar. Sehr kompakte Regeln, die die D&D-Regeln nicht exakt emulieren, das Spielgefühl aber gut einfangen. Hat eine große Anzahl von Fans zum Schreiben eigener ähnlich kompakter Abenteuer motiviert. Ist ein gutes Beispiel für ein Spiel, das durch „Mixen“ zweier anderer Spiele der dritten Generation entstand. Inzwischen gibt es ein erweitertes Cairn 2e (nur englisch). Ebenfalls sehr gut für One-Shots geeignet.
  • Into the Odd, Electric Bastionland, Mythic Bastionland (englisch, Electric Bastionland auch auf deutsch): sehr innovative, kurze Regeln. Bei den Bastionland-Spielen sehr stark in die jeweiligen Regeln eingebackener Settingbezug und insofern schon eher C-Kategorie. Tolle Übersichtlichkeit und Organisation der Regeln, aber schon mit gewissen Anforderungen an die Kreativität der Spielleitung.
  • Mausritter (englisch/deutsch): Das Spiel mit dem Knuddelfaktor. Spielt kleine Abenteuermäuse, die durch einen mythischen Schrebergarten oder einen bösen Schrottplatz mit riesigen Killerkatzen ein Ziel erreichen müssen. Sehr gut für Jugendliche, Junggebliebene und Fans leichter Regeln geeignet. Hat sich auf deutsch sehr rasch eine rege Fan-Community erobert. Hat aufgrund seines sehr eigenen Settings starke Überschneidungen zur C-Kategorie.
Die Mausritter-Box (dt.) mit einigen Abenteuerschauplätzen für das Spiel
  • Shadowdark (englisch): Hier werden einige langjährige OSR-Fans aufstöhnen – das ist doch kein OSR-Spiel! Vom Spielgefühl ist es verdammt nah dran. Und die Regeln geben Gruppen, die D&D 5e gespielt haben, wenige Rätsel auf. Es ist also gewissermaßen ein für 5e-Gruppen optimiertes Spiel mit OSR-Feeling. Beim Spielen klassischer Abenteuer muss ein wenig mehr angepasst werden, aber das Konvertieren ist keine Zauberei. Bietet einige sehr schöne speziell für Shadowdark geschriebene Abenteuer.
  • Dungeon Crawl Classics (DCC) (englisch/deutsch): Ein weiteres streng genommen nicht zur OSR gehörendes Spiel, das aber den Flair der 80er sehr gut einfängt. Mit sehr eigenständigen Artwork und v.a. wirklich fast durchgehend guten Abenteuern. Meistens die namensgebenden Dungeoncrawls, es gibt aber auch Hexcrawls (Der Purpurplanet) und ein Stadtsetting (Lankhmar). Sehr kurzweilig, mit eigenen Würfeln! Und auch sehr tödlich. Eine wachsende deutsche Fanbase und eine große Anzahl übersetzter und eigenständiger deutscher Abenteuer z.B. in den Fanzines Der Ettin oder Der Trichter.
  • Dragonbane (englisch/deutsch in Übersetzung): Es wird wegen seines Spielgefühls oft als OSR-Spiel bezeichnet. Regeltechnisch ist es eigentlich eher ein entfernter Verwandter von Call of Cthulhu. Dennoch hier mit aufgeführt, weil es ähnliche Abenteuer ermöglicht, sich leicht leiten lässt und wie bei Free League üblich sehr ansprechend gestaltet ist.
  • Mothership (englisch): Und jetzt etwas völlig anderes, um die Bandbreite der OSR zu veranschaulichen: Hier geht es um Horror im Weltall. Es gibt eine große Anzahl von Drittanbieterabenteuern für das Spiel, die interessant bis richtig gut sind. Das ist allerdings eines der Regelwerke, das bewusst Lücken lässt. Daher für etwas erfahrenere SL empfohlen.
Mothership (engl.)

C steht für die zweite Generation, wobei auch einige der o.g. Spiele wie Electric Bastionland und Mythic Bastionland eine sehr enge Verknüpfung aus Regeln und Setting bilden:

  • Beyond the Wall (englisch/deutsch): Spielt eine Gruppe Jugendlicher, die ihr Heimatdorf verlassen und auf Abenteuer ausziehen. Inspiriert von Ursula K. LeGuin, Susan Cooper und Lloyd Alexander. Dank Charakterbüchern und fertiger Szenarien vorbereitungsfrei spielbar. Auf deutsch mit 3 Hardcovern und etlichen Abenteuern unterstützt. Rege Discord-Community.
  • Dolmenwood (englisch): The new kid on the block! Gerade erst ausgeliefert worden. Verbindet ein überarbeitetes OSE-Regelgerüst (es stammt vom selben Verlag) mit einem märchenhaften Waldsetting (dem Dolmenwood). Sehr aufwendig produziert, dazu schöne Abenteuer im übersichtlichen OSE-Layout. Es bedarf keiner Prophezeiung, dass es viel Nachschub in Form weiterer Abenteuer und Settingerweiterungen geben wird.
Dolmenwood (engl.)
  • Lamentations of the Flame Princess (LotFP) (englisch): B/X D&D meets Barock-Erde meets Heavy Metal meets Horrorelemente. Seinerseits kultiges OSR-RPG mit einigen hochdekorierten sehr innovativen Abenteuern. Ab 18! Brach immer wieder Genregrenzen und Tabus. Letzteres für den Geschmack empfindlicherer Gemüter zu sehr. Immer noch sehr gute, aufwendig produzierte Abenteuer. Nur auf englisch. Im englischsprachigen Raum aufgrund einiger öffentlich ausgetragener Autorenfehden in Teilen der Community etwas negativ besetzt.
  • Hyperborea (englisch): ein vereinfachtes AD&D, das eng mit einer Spielwelt in der Swords & Sorcery-Tradition von Robert E. Howard, Clark Ashton Smith etc. verschmolzen wurde. Hier würde sich Conan sofort heimisch fühlen. Bietet in den Abenteuern hervorragende Unterhaltung für Fans dieses Literatur-Genres.
  • Worlds without Number / Stars without Number / Cities without Number / Ashes without Number (englisch): Für jeweils unterschiedliche Genres (Fantasy, Science Fiction, Cyberpunk oder Postapokalypse) bietet jeder dieser Dickbände einen B/X-Regelkern und dazu eine Menge Zufallstabellen zur Erschaffung spannender Kampagnen und Abenteuer. Selbst wer das Spiel nicht spielt, hat die Bände wegen der hervorragend inspirierenden Zufallstabellen oft in seinem Regal stehen. Deshalb aber wohl eher für etwas erfahrenere Spielleitungen geeignet.
Die vier Spiele der „… withouth Numbers“-Reihe (alle engl.)

Und wie gehts nun weiter?

Nun dürftest du zumindest ein etwas besseres Gefühl dafür haben, welche Art von OSR-Spielen dich interessiert. Vielleicht hast du auch schon eine engere Shortlist?

Einige der Regeln sind als PDF deutlich günstiger oder sogar kostenlos beziehbar. Das ist eine gute Möglichkeit zum Einlesen. Meine Hauptempfehlung ist allerdings: Probiere die Spiele aus, die dich interessieren! Es gibt z. B. Rundenaushänge im nächstgelegenen RPG-Laden. Und wenn du zu weit weg vom nächsten Spieleladen wohnst oder dort gerade niemand dein auserkorenes Spiel leiten möchte, dann schau dich online um. Alle Verlage haben inzwischen eigene Discord-Server. Erkundige dich dort nach Proberunden. Oder gehe zu einer der vielen RPG-Conventions (die seit der Pandemie oft auch online angeboten werden): Gerade bei Online-Conventions ist schon im Vorfeld erkennbar, welche Runden angeboten werden. Oft auch OSR-Spiele, die hier genannt wurden. 😊

Und wie startest du nun am besten als Spielleitung? Aus dem Artikel klingt doch durch, dass sich OSR-Spiele etwas anders spielen als moderne RPGs. Und was ist mit der Aussage „für erfahrenere Spielleitungen“ gemeint? Was für Anforderungen müsstest du dafür erfüllen?

Dazu werde ich in einer Fortsetzung etwas schreiben. Bis dahin viel Spaß beim Hineinschnuppern in deine:n OSR-Favoriten!

– Guennarr

… und zum Abschluss jede Menge Spiele und Regel-Setting-Kombinationen, die im Artikel keinen Platz mehr fanden. 😉

11 Kommentare zu „OSR für Newbies: Welches Spiel ist das richtige für mich?

  1. Sehr schöne Übersicht und Fragenkatalog. Aber warum der C/B-Reihenfolgewechsel? Das riskiert Leser zu verwirren, die den Artikel schnell überfliegen.

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  2. Der Reihenfolgenwechsel ist der Versuch, unvorgenommen die Fragen zu beantworten.

    Ich habe öfter Anfragen von Newbies erlebt, die sich ganz feste in einer der drei Kategorien sahen und dann feststellten, dass sie im Spieleinsatz mit dem jeweiligen Spiel doch nicht zurandekamen.

    Gefällt 2 Personen

  3. Hm, eine schöne Aufstellung von unterschiedlichen OSRs. Allerdings empfinde ich Deine Einordnung als chaotisch und auch nicht wirklich passend.

    So sehe ich z.B. Lamentations of the Flame Princess nicht wirklich mit einem Setting verknüpft an. Das Grundregelwerk ist im Gegenteil allgemein gehalten und deshalb eher bei OSRIC/S&W/OSE einzuordnen. Ähnliches gilt für die Werke von Kevin Crawford, also Stars Without Number / Worlds Without Number etc.

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  4. @scurlock

    „Entweder wurden die Regeln ganz stark in Richtung besonderer Settings oder Genres weiterentwickelt und/oder es wurden die klassischen Regeln um andere Regelkonzepte erweitert.“

    Unter diesem Zitat sehe ich Lamentations genau richtig eingeordnet. Mich verwundert daher etwas deine Meinung der chaotischen Sortierung.

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  5. @Grannus
    Das chaotische Einordnung liegt alleine schon in den Kriterien:
    „Entweder wurden die Regeln ganz stark in Richtung besonderer Settings oder Genres weiterentwickelt und/oder es wurden die klassischen Regeln um andere Regelkonzepte erweitert.“
    Hier werden zwei Kriterien zusammengeführt, die nichts gemein haben. Erweiterung eines Regelkonzeptes ist etwas völlig anderes als die Nähe zu einem besonderen Setting. Als Neueinsteiger könnte ich damit nichts anfangen, da es nichts über die Spezifikation der Regeln aussagt.
    Was LotFP angeht könnte man ein verändertes Regelkonzept anführen. Aber die spezifische Setting-Orientierung erfolgte erst später durch Module und Settings.

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  6. Hallo Scurlock,
    erst einmal sorry für die späte Antwort. Ich habe eben erst bemerkt, dass so spät noch Kommentare zu dem Artikel verfasst wurden.
    Zu deinem Einwand: Ich denke, ich verstehe deinen Ansatz, der sich allerdings ein wenig mit dem Anspruch beißt, eine möglichst kompakte Darstellung aller RPGs am Markt zu geben.
    Zu meinen Hintergedanken bei der Schaffung dieser recht heterogenen Kategorie: Ich wollte die Nicht-mehr-Retroklone klar von den Retroklonen trennen. Beide Rubriken enthalten sehr schöne Titel, die ich gerne spiele/ gespielt habe / spielen möchte. Allzu oft habe ich allerdings schon erlebt, dass ein OSR-Neuling auf der Suche nach einem Retroklon zum Spielen klassischer Abenteuer ein solches Spiel der zweiten Generation empfohlen bekam. Das kann funktionieren, erhöht aber die Einstiegshürde m.E. unnötig. Warum z.B. BtW empfehlen, wenn es Lab Lord und OSE gibt. Ähnliches gilt für LotFP, das dem Regelkern Anpassungen hinzufügt, die es für LotFP-Abenteuer ideal macht, aber abweichend von den OSR-Vorbildern ist.
    Da du anscheinend ein klares Bild vor Augen hast, wie du Spiele feiner und exakter einordnen würdest, lade ich dich herzlich dazu ein, diese Übersicht als Artikel zu veröffentlichen! Ich wäre dir kein bisschen böse. Im Gegenteil: Die OSR lebt von DIY. Ein zusätzlicher Blickwinkel könnte OSR-Newbies sicherlich zusätzliche Orientierung geben.

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  7. Moin Guennarr,

    jetzt habe ich einen seitenlangen Kommentar verfasst und die Seite hat sich dabei verschluckt. Hmpf.
    Wie auch immer, die Quintessenz bzw. viel mehr die Erkenntnis meines verlorenen Kommentars war, dass die Menge und Vielfalt an OSR-Regelwerken mittlerweile zu groß geworden ist, um sie sinnvoll einzuordnen.

    Nicht zuletzt deshalb werde ich deshalb davon absehen zu versuchen, einen vermeintlich besseren Leitfaden zu schreiben.

    Insofern verstehe meine Kritik eher als Anmerkung, dass ich gewisse Dinge da anders sehe oder anders kategorisieren würde. Aber meine Einordnung wäre dadurch nicht unbedingt richtiger.

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