Ich habe im Herbst 2025 mit Pathfinder angefangen und das Spiel mit den Bodenplänen ist etwas, was mir daran viel Spaß bereitet. Für die üblichen Kämpfe greife ich auf die offiziellen Pappaufsteller zurück (die brauchen auch angenehm wenig Platz im eh schon vollen Regal), aber die Spielercharaktere bekommen modellierte Miniaturen. Und in diesem Fall – wir spielen die Königsmacher-Kampagne, eine waschechte Hex Crawl Sandbox der Marke Westmark – wollte ich auch einen hübschen Spielstein für die Gruppe auf der Weltkarte haben. Darum zeige ich an diesem Beispiel mal, wie ich diesen kleinen Wagen bemalt habe. Insgesamt hat es etwa 40 Minuten gedauert, aber ich hab mich auch nicht sonderlich beeilt und während einer längeren Trocknungszeit noch was anderes gemacht.

Das Modell ist ein freebie von ec3d auf Cults, das ich passend skaliert, ausgedruckt (Bambu A1 mini mit 0.2mm Düse, silbergraues PLA) und zusammengeklebt habe (Uhu Hartkunststoff). Dann hab ich es mit hellgrauem Filler Primer aus der Sprühdose grundiert. Das ist Farbe mit ein wenig Füllspachtelmasse drin, die die Unebenheiten des 3D-Drucks ein bisschen ausgleichen soll. Keine Ahnung wie gut das objektiv funktioniert, aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. So oder so empfehle ich auch bei gekauften Modellen eine Grundierung in hellgrau. Ich grundiere mit Sprühfarben grundsätzlich draußen im Hinterhof und trage dabei Einmalhandschuhe, weil ich das Modell dabei in einer Hand halte und drehe und mit der anderen sprühe. Dabei gilt, nicht einfach nur voll draufhalten, sondern mit der Dose in Bewegung bleiben. Ich mache quasi Pinselstriche in der Luft damit und drehe auch das Modell häufig. Anschließend lasse ich es ein paar Stunden im Keller trocknen, damit auch der Gestank der Sprühdose verfliegt.
Dann hab ich eine Auswahl getroffen, welche Farben ich verwenden will. Für eine schlichte Holzoptik habe ich mich für Pallid Bone von Army Painter entschieden, dazu Saddle Brown und German Grey von Vallejo für Akzente an den Rädern und einen Effektüberzug („Wash“) namens European Dust von Vallejo. Das sind alles acrylbasierte Modellfarben. Meine „Werkzeuge“ zum Bemalen sind eine Nasspalette (im Prinzip ein feuchtes Schwammtuch mit einem Stück Butterbrotpapier obendrauf), damit die Farben nicht so schnell auf der Palette eintrocknen; eine kleine Halterung für die Miniatur (im Prinzip ein Korken oder kleines Döschen mit einem Blob klebriger Knete obendrauf, in das man die Miniatur sanft reindrückt), ein Glas Wasser (nicht trinken!), ein Blatt Küchenkrepp und zwei Haarpinsel: Einen Synthetikpinsel der Größe 1 oder 2 den ich aus irgendeinem günstigen Farbkasten gesammelt hab für den großflächigen Farbauftrag und einen der Größe 00 für kleine Details. Synthetikpinsel gibt’s im Bastelgeschäft für 3-5€ das Stück.
Ich habe nun zuerst die Details am Wagen bemalt, nämlich die Radreifen in German Grey und die Verbindungsstücke an den Rädern in Saddle Brown. Die Farbe aus den Fläschchen habe ich mit einem Tropfen Wasser am feuchten Pinsel verdünnt, damit sie nicht mehr so zähflüssig ist und ich sie besser auftragen kann. Wenn die Schicht dadurch nicht mehr richtig deckt, kein Problem. Einfach einen kurzen Moment lang trocknen lassen – das dauert etwa so lange wie einen Schluck Wasser trinken und einmal aufstehen und strecken – und dann noch eine drüberziehen. Bei hellen Farben und insbesondere gelb kann es auch ein paar mehr Schichten brauchen. Der Trick um das Zittern der Hände in den Griff zu bekommen ist übrigens, das Zittern beider Hände zu synchronisieren: Ich halte meine Handballen entweder zusammen oder beide an meiner Miniaturenhalterung, wenn ich feine Striche male. Manche Leute setzen zusätzlich noch die Ellbogen auf dem Tisch auf, ich halte sie meist nur eng am Körper. Weil Pinsel ganz anders funktionieren als Bleistifte oder Kugelschreiber, bin ich ganz gut darin, Striche abwärts zu führen, alles andere wird bei mir risikoreicher. Darum drehe ich den Halter bzw. das Modell meist so, dass ich den Teil den ich bemalen will mit Pinselstrichen von oben nach unten bemalen kann. Und so sah das Modell nach diesem Schritt aus. Ich hab bei den Radreifen etwas übergemalt und dann versucht mit einem angefeuchteten Finger ein wenig Schadensbegrenzung zu betreiben, während die Farbe noch nicht ganz trocken war.

Als nächstes kam die Geheimwaffe der modernen Miniaturenmalenden: Speed Paint (je nach Hersteller auch Contrast Paint oder Express Color genannt). Das ist nicht mehr die klassische Acrylfarbe, sondern ein dünner, „selbst-schattierender“ Überzug auf Acrylbasis. Während man früher™ noch mühselig und fitzelig die Schattierungen und Details des Modells in mehreren Schichten und Abstufungen malen musste, läuft das Speed Paint einfach in die Ritzen und bildet dort dunklere Stellen, während Erhöhungen heller bleiben. Präzision ist dann auch nicht so wichtig und ich nehme deshalb gern billige oder bereits stumpfe Haarpinsel für den Auftrag. Deutlich wichtiger ist jedoch, die Farbe vor dem Malen gut durchzuschütteln (das kann schonmal 3-5 Minuten in Anspruch nehmen), damit sich die Zusätze und Partikel auch richtig vermischen. Außerdem muss man dem Speed Paint großzügig Zeit geben, vollständig zu trocknen, bevor man drübermalt. So sieht es dann aus in Pallid Bone, das Wägelchen:

Die Holzmaserung und die Fugen zwischen den Planken der Ladefläche sind nun viel plastischer. Die zuvor gemalten Details an den Rädern sind durch das Speed Paint immer noch sichtbar, weil die Farbe kaum deckt. Je dunkler das Speed Paint, desto stärker decken die Farbtöne in der Regel. Mir war Pallid Bone aber etwas zu hell, darum habe ich noch eine weitere Farbe hinzugezogen, quasi die Vorgängertechnologie: einen dünnen Überzug („Wash“) namens Agrax Earthshade, im Prinzip was die Leute zum Herausarbeiten der Details genutzt haben, bevor es Speed Paints gab. Auch hier hab ich mit dem größeren Pinsel einmal alles großflächig überzogen. Auf dem Bild sieht man, dass dieser Wash sich nicht so schön gleichmäßig auf dem Modell setzt wie das Speed Paint. Nach der „alten Schule“ würde man die glatten Flächen, beispielsweise die Planken, anschließend wieder mit „normaler“ Farbe übermalen und dann nochmal nachschattieren. Weil das hier aber keine Miniatur für die Vitrine wird, sondern eine für den Tisch, ist mir das herzlich egal.
Den European Dust-Effekt habe ich anschließend auch gut durchgeschüttelt und großzügig auf die Räder und die unteren Kanten geschmoddert, um den Staub der Straße zu zeigen. Ich mag es nämlich gern, wenn die Miniaturen aussehen, als würden sie nicht gerade frisch aus dem Badezuber gestiegen sein, sondern eben mitten aus der Szene geholt worden. Der Fachbegriff dafür ist „weathering“. Hat beim Wagen leider überhaupt kein befriedigendes Ergebnis geliefert, weil eh schon alles braun ist – hätte ich mir vielleicht denken können. Weil der Spielstein von allen viel begrabbelt werden wird, hab ich zum Schluss noch einen matten Schutzlack („Varnish“) zum aufpinseln draufgetan – der ist im feuchten Zustand etwas milchig aber trocknet absolut transparent. Und fertig!

Das Ergebnis ist weit weg von perfekt und das Modell hätte auch noch mehr Potenzial für Detailarbeiten gehabt, beispielsweise metallene Beschläge hier und dort. Für meinen Zweck passt es so aber gut, ich bin zufrieden und meine Spieler haben sich über das Gimmick gefreut.