Verlagsarbeit – Mein erstes mal…

Vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten… äh. Nein, es ist noch nicht lange her, da gab es Interesse, das ich, da ich das Dragonbane Fanzine „Der Bürzel“ geschrieben und veröffentlicht habe, vom Uhrwerk Verlag gefragt wurde, ob ich nicht am Projekt zur „Grünen Ebene“ für Dragonbane mitarbeiten möchte.

Da ich mit Aventurien aber abgeschlossen hatte, war mein Interesse sehr gering. „Grüne Ebene“ hab ich gesagt „Nä, wenn es ein anderes Setting wäre, gerne…“

Und dann kam die Ankündigung dass der Uhrwerk Verlag „Myranor“ wieder ins Spiel bringen möchte. Ich mochte Myranor, die erste Version die rauskam, dieser riesige Kontinent jenseits von Aventurien. High Fantasy, Sword & Sorcery, so viele Möglichkeiten. Es kam auf dem Uhrwerk Discord zur Suche nach dem geeigneten Regelwerk für das Projekt. Mein Vorschlag war natürlich Dragonbane, ich liebe das Regelwerk und werde da auch noch einiges für machen. Aber die einzige logische Wahl war das SRD von 5e zu nutzen. Erstens, der Chefredakteur Stefan „Aikar“ Urabl hat schon vorher einen Fanhack zu Myranor 5e geschrieben und zweitens, wenn wir ehrlich sind, 5e ist Wirtschaftlich die richtige Wahl.

Myranor 5e – Mein Fehler!

Ich war sehr aktiv in Discord zur Zeit des Crowdfundings und habe natürlich in das Projekt unterstützt was ging… doch dann habe ich einen Fehler gemacht. Ich schrieb den Satz „Aikar, wenn die 75.000€ Marke geknackt wird, schreib ich euch ein Kurzabenteuer für Myranor“

Und damit hat alles begonnen…

Das Crowdfunding war das stärkste, das der Uhrwerk Verlag je hatte… 177.830€ sind zusammengekommen und nach diesem etwas langen Intro, will ich euch meine Erfahrungen mitteilen, wie es für mich war, für einen Verlag in einem laufenden Crowdfunding zu arbeiten.

Arbeiten für einen Verlag – Wie läuft das?

Es war sehr Chaotisch am Anfang, ein interner Discord Server hat alle gesammelt die am Projekt mitarbeiten wollten. Es waren schnell alte Myranor Fans und Autor:innen reaktiviert, die sich gefreut haben wieder was zu machen. Mein Plan war, ich schreibe ein 8 Seiten Abenteuer und freue mich, das ich daran Teilgenommen habe. Pläne sind generell zum scheitern verurteilt.

Aikar hatte das Problem, das der Großteil der alten Myranor Autor:innen keinen blassen Schimmer von 5e hatten, er brauchte aber Leute, die am Regelwerk mitschreiben. Nun, ich hab mehrere Kampagnen 5e geleitet, eigene Homebrew Sachen geschrieben und dachte mir, das kann man neben nem 8 Seiter noch schnell einbringen. Wie gesagt, es war alles sehr Chaotisch, wir waren alle gehyped und das Crowdfunding war noch fleißig am Hochticken.

Schnell fand ich mich zwischen Profis, die schon viele Jahre für Verlage arbeiteten und diverse Abenteuer auf dem Buckel hatten. Das ist recht einschüchternd, das kann ich euch sagen, aber man merkt schnell, die kochen auch nur mit Wasser.

Ich bekam Zugang zu nötigen Background Materialien (Unter dem Sternenpfeiler, Jenseits des Nebelwaldes usw.) und sogar Hilfe von meinem Freund Kreggen, der damals mit eines der ersten großen Myranor Abenteuer geschrieben hat. Viele Gespräche mit Aikar, dem Chefredakteur, was seine Vorstellung ist und was ich mir so vorstellen würde.

Wir waren recht schnell auf einer Wellenlänge und ich hatte auch recht schnell eine Idee für das 8 Seiten Abenteuer.

Das Abenteuer – Der Viehtrieb

Ein Reiseabenteuer schwebte mir vor, ich erinnerte mich an ein altes Quellenbuch aus Myranor dessen Cover mir sehr gefallen hatte, Myranische Monstren, dort wurde eine Handelskarawane in einer Felsschlucht von einem Rudel Khemosi, wilden Raubaffen, überfallen. Daraus wollte ich ein Abenteuer machen und schlug die Idee dem guten Aikar vor. Er plante für die Kurzabenteuer verschiedene Abenteuerstile zu Sammeln, um verschiedene Spielstile aufzeigen zu können, die mit Myranor 5e möglich sein sollten.

Ich übernahm den Part des eher Pointcrawligen One-Shot Stils mit vielen Zufallsbegegnungen und größerem Improvisations Aufwandes. Andere Abenteuer in der Sammlung sind eher in der DSA Schiene mit vielen Vorlesetexten und ähnlichem.

Das Grundgerüst des Abenteuers stand schnell, es wurde sich auf Koromanthia als Spielregion geeinigt. Diese Region bietet viele Möglichkeiten der diversesten Abenteuer. Aber da die Crowdfunding Uhr tickte wurden mehr Stretchgoals benötigt, und ich Trottel sagte „Klar schreib ich noch ein 32 Seiten Abenteuer, ich hab da schon eine Idee“… Und so wurde Mission Hornhai noch angekündigt.

Währenddessen – Das Regelwerk

Nebenbei besprachen wir uns, was wir alles für das Regelwerk brauchen würden. Das Problem war, wir wollten 5e in der Version 2024 nutzen, nur war dies zu dem Zeitpunkt erst kurz vor der Veröffentlichung. Der Plan war klar, wir arbeiten vor was geht, den Rest übernehmen wir aus dem SRD wenn es erscheint.

Oh Boy… War das ein wilder Ritt. Das SRD hat sich sehr lange Zeit gelassen, es wurde das englische Grundregelwerk von D&D5e 2024 veröffentlicht, und wir nutzten natürlich diese Version schonmal zur Vorarbeit. Es mussten neue Klassen und Subklassen für Myranor erstellt werden, was der größte Aufwand war (Neben der Magie, aber da hab ich meine Finger rausgelassen).

Mit Advanced 5e haben wir noch zusätzliche Regeln in das Myranor 5e Regelwerk übernommen (Besonders die Fahrzeug Regeln, die sehr wichtig sind um die ganzen Fahrzeuge in Myranor abbilden zu können).

Ich kümmerte mich um diverse Subklassen, für den Krieger, den Mönch und die neue Klasse des Optimatikers, eines Vollzauberers in Myranor. Hintergründe und Talente habe ich auch mitgeschrieben und definitiv Einfluss bei den anderen Klassen gehabt.

Das Team wurde derweil immer größer und wir merkten, die Abenteuer könnte man super verknüpfen.

Abenteuer Sammelung

Durch das schreiben an Mission Hornhai, indem es darum geht in der Stadt Daranel eine Karte zu stehlen um zu einem versteckten Tauchboot zu kommen welches unser Auftraggeber gerne hätte, merkten wir schnell, das sich Ideen überschnitten. Es gab ein anderes Kurzabenteuer das mit einem Tauchboot in eine Nequaner Stadt unter dem Meer spielte, das konnte man Perfekt mit Mission Hornhai verknüpfen. So wurde Mission Hornhai der Prolog, mein Auftraggeber wurde der Kontakt für alle Abenteuer von dort an und es gab einen roten Faden.

Das Problem ist: Mission Hornhai ist noch nicht fertig, der Rest aber schon. Tja, Chaos pur und druck der auf mir lag. Dieser Druck hat mich mehr und mehr in die Prokrastination gestürzt und es wurde alles viel langsamer und schwieriger für mich zu schreiben. Am Ende brauchte ich sogar Unterstützung und der gute Seba und Martin Wende aus dem Myranor Team halfen mir (Martin hat am Ende das Abenteuer sogar fertig geschrieben weil ich nicht mehr konnte).

Verlagsarbeit – Mein letztes mal?

Ich hab viel geschwafelt, viel hin und her geredet aber nicht wirklich viel von der Verlagsarbeit an sich berichtet. Was hab ich aus meiner Zeit während des Crowdfundings für mich mitgenommen:

  • Ich kann nicht unter Druck schreiben
  • Unterschiedliche Schreibphilosophien kollidieren häufig
  • Neben dem Job für einen Verlag an großen Rollenspielen schreiben ist die Hölle
  • Mit Rollenspielen wird niemand reich
  • Man muss das wollen!

Ich roll die Liste mal von hinten auf: Will ich das? Ja, ich will definitiv weiter schreiben – ABER!

Will ich damit Geld verdienen? NEIN, und ich hab das auch dem Verlag klar gemacht, all meine Arbeit die ich für den Verlag gemacht habe war ohne Entgelt, ich habe gesagt ich möchte einfach meinen Namen im Produkt präsent haben und Beleg Exemplare, mehr nicht.

Ich werde nicht mehr unter Zeitdruck arbeiten, ich habe mir vorgenommen ein Manuskript in meiner Geschwindigkeit zu schreiben und dieses dann dem Verlag vorzulegen, entweder „kaufen“ sie es, oder nicht. Aber dann ist es mein Timing. Ich habe mir ein Projekt ausgesucht auf das noch niemand groß wartet (Ja, es gab Umfragen), ich hab also Zeit.

Ich stelle mir für das Projekt ein Team zusammen mit dem ich gut zusammen Arbeiten kann und mach nicht mehr alles alleine, diesen Luxus gönne ich mir.

Fazit

Es ist nicht leicht für einen Verlag zu arbeiten, die Kunden sitzen dem Verlag im Nacken, der Verlag sitzt dir im Nacken, du bekommst Nackenschmerzen vom ganzen Nacken. Hat es sich am Ende gelohnt? JA – es ist so ein tolles Gefühl wenn man die Gedruckten Bücher in den Händen hält, dort steht dein Name drin und du bekommst Feedback über deine Arbeit.

Ich hab Leute gesehen die „Viehtrieb“ auf einer Con geleitet haben, das macht mich glücklich. Ich hab Leute in meiner Spielgruppe die sagen „Oh, die Mönch Subklasse ‚Weg der Spiegelung‘ ist großartig, die will ich spielen“ und ich weiß, die hab ich geschrieben und bin sehr stolz darauf.

Die Leute die ich auf dieser Reise kennengelernt habe sind tolle Freunde geworden, Aikar will mich dauernd in neue Projekte einbeziehen, kennt aber meine Probleme und gibt mir alle Zeit der Welt, Martin und ich teilen uns neben Myranor noch eine Leidenschaft fürs Wrestling und planen diese in unser nächstes Projekt mit einfließen zu lassen und Seba, ja, der hat mich gebeten doch mal einen Einblick in diese Reise zu schreiben. Das habe ich somit getan.

Danke für eure Zeit, ich hoffe ich konnte euch etwas Kurzweil bescheren. Und wenn ihr Interesse an meiner Arbeit habt, bleibt dran, ich werde nicht nur für Verlage Arbeiten, ich plane dieses Jahr noch viel mehr, hier, auf diesem Blog.

Bis dahin, mögen eure Würfel immer auf dem Tisch landen

Euer Jocke

Veröffentlicht von Jocke

Ahoi da draussen, ich bin der Jocke, kling komisch, ist aber so. Ich bin Baujahr 82, ein guter Jahrgang. Angefangen mit dem Rollenspiel hat es bei mir mit einem richtigen Klassiker: "Der Hexenmeister vom Flammenden Berg" Da war ich zarte 11 Jahre alt und das Thema Rollenspiel hat mich seit her nicht mehr losgelassen. Aktuell bin ich ein großer Fan von Dragonbane, Shadowdark und Land of Eem, aber mein Herz gehört immer noch der Welt von Cyberpunk 2020/RED. Ich bin SL, Spieler, Weltenbauer und liebe alles was mit dem Thema Rollenspiel zu tun hat. Themen die ihr von mir erwarten könnt beinhalten bestimmt auch Puppen und LARP und welchen Einfluss Rollenspiel darauf hat und umgekehrt. Also, lehnt euch zurück, das wird ein wilder Ritt!

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