Campaign-every-other -day 2024 – Teil 7 (Das Frühlingsopfer, Cthulhu)
1913 fand in Paris die Uraufführung des Balletts „Das Frühlingsopfer“ (Le Sacre du Printemps, teils auch übersetzt als „Der Frühlingsritus“ oder „Die Frühlingsweihe“) von Igor Strawinsky statt. Dazu nur zwei Zitate aus Wikipedia:
- „Das Ballett beschreibt ein Frühlingsopfer im heidnischen Russland. In diesem Ritual wird eine Jungfrau dem Frühlingsgott zur Versöhnung geopfert.“
- „When first performed at the Théâtre des Champs-Élysées on 29 May 1913, the avant-garde nature of the music and choreography caused a sensation. Many have called the first-night reaction a ‚riot‘“. (Wer mal sehen will warum – hier ist eine moderne Inszenierung.)
Da schreibt sich das Call of Cthulhu-Szenario doch fast von selbst! In dem Szenario ist das Frühlingsopfer nicht nur künstlerisches Motiv, sondern wird live auf der Bühne vorgenommen, und das Publikum ist nicht nur unruhig, sondern wird wahnsinnig ob des „Frühlingsgottes“, der da vor ihrem Augen beschworen wird.
Und mit dieser Szene startet man direkt rein: Die SCs sind die kleine Handvoll Gäste, die nicht sofort den Verstand verlieren. Sie kennen sich nicht, aber es ist an ihnen, das Beschwörungsritual zu unterbinden, ehe es zu spät ist. Aber zuerst ein harter Schnitt, Flashbacks: Wie haben sie sich auf den Ballettabend vorbereitet? Sie treffen ein paar NSCs, bekommen Hinweise und dann zurück in die Action.
Danach (wenn es ein danach gibt) müssen die Hintergründe aufgeklärt werden. Was wollte Strawinsky damit erreichen? Wer hat seine Partitur im Durcheinander gestohlen? Wer ist während der Aufführung in seine Wohnung eingebrochen und was wurde dort entwendet?
In den Nachforschungen entfaltet sich eine Welt, in der Kunst – sei es Musik, Malerei, Tanz oder Bildhauerei – Zugang zu okkulten Kräften gibt. In Europa verstand es die katholische Kirche lange, die Kunst so zu kontrollieren, dass die schlimmsten Exzesse ausblieben. Doch mit der Reformation schwand diese Kontrolle. Der Dreißigjährige Krieg war eine Katastrophe, in der beide Seiten versuchten, mit der Beschwörung außerweltlicher Schrecken den Krieg für sich zu entscheiden. In einem Zusatzprotokoll des Westfälischen Friedens wurden gegen diese Taten gewisse Schranken eingezogen. Doch mit dem Aufkommen des Nationalismus (im 18. und 19. Jahrhundert) und mit dem Auseinanderfallen des Europäischen Konzerts der Mächte (ab Ende des 19. Jahrhunderts) schwand die Bindungskraft dieser Übereinkunft. Einflussreiche Künstlerinnen und Künstler verschrieben sich „der nationalen Sache“.
1913 haben in den Künstlergemeinden die Nationalisten längst die Überhand. Mit dem großem Krieg am Horizont lassen sie sich von Regierungen und Militärs einspannen. Strawinsky, als russischer Emigrant, wollte sich dieser Logik entziehen und mit seinem Ritus einen neuen „Frühling“ im kriegsdräuenden Europa einläuten, doch der französische und der deutsche Geheimdienst sind sehr an dieser Magie interessiert.
Aus dieser Konstellation kann man weitere Abenteuer anschließen, die während und nach dem Ersten Weltkrieg in Frankreich, Deutschland und der Schweiz spielen. Stichworte wären hier Expressionismus, Kubismus, Bauhaus, die Musik von Erik Satie, Werke von Marcel Duchamp und Frank Wedekind oder die Künstlerkolonie Monte Verità. Höhepunkt und Abschluss der Kampagne sind Nachforschungen in den Schlössern Ludwigs II. über dessen Wahnsinn und den Einfluss von Richard Wagner im Jahr 1936 unter den gierigen Augen der Nationalsozialisten.
Rackhir
Das klingt auf sehr spannend und endlich, ENDLICH eine Kampagne mit Thema Kunst und NIEMAND erwähnt Hastur oder den König in Gelb! Es liest sich somit erfrischend neu und unverbaucht. Kunst als Mittel der Nationalisten ist unter dem Radar. Vorallem liegt hier das Potential daran, dass eine Kampagne mit einem großen Scope gespielt werden kann, sowohl was die zeitliche Dimension angeht, als auch die Auswirkungen und die Bühne der Abenteuer.
Ich bin sowieso ein Fan des 30-jährigen Krieges, habe auch ein paar Pläne diesen mit Cthulhu zu verbinden. Da bietest du mir natürlich genau die richtige Hand um mich erneut inspirieren zu lassen.
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Mist, ich wusste ich hab was vergessen! 😉
Und ich möchte mehr davon hören, was du mit dem Dreißigjährigen Krieg vorhast.
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Irgendwie kristallisiert sich da auch etwas zwischen dreißigjährigen und ersten Weltkrieg blog- und personenübergreifend heraus, oder?
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Sind beides spannende Felder mit reichlich Möglichkeiten für Abenteuer und Konflikte. Beide rangieren für mich persönlich noch sehr weit oben in den Settings für Horror abseits der Gegenwart, 1990er und 1920er.
Auf jeden Fall würde ich mir hierzu mehr Material wünschen.
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