Campaign-every-other-day 2024 – Teil 18 (Vampire: the Masquerade – Duisburg 1986)

Duisburg, in einem anderen 1986.

In der UdSSR ist der neue Parteichef Michael Gorbatschow kurz nach Amtsantritt bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sein Nachfolger Nikolai Tichonow, ein Vertreter der Hardlinerfraktion, hat den Kalten Krieg mit den USA erneut angefacht. Die Rüstungskontrollgespräche sind abgebrochen.

Die Atombombe ist ein immer präsenter Schatten im kollektiven Geist der Menschen, jederzeit könnte sie fallen. Einige Kainiten sprechen von Gehenna, aber niemand weiß wann es kommt.

Duisburg hat sich nie von den Ölkrisen der 70er erholt. Einstmals das Herz des Ruhrgebiets, ist es heute nur noch eine rostende, verkommende Leiche seiner selbst. Die Gruben werden stillgelegt, die Kokereien und Stahlwerke abgebaut und ins Ausland verkauft. Die Arbeitslosigkeit in der Stadt beträgt 25%. Die Innenstadt – ohnehin noch nie ein Schmuckstück – ist tot: leere Geschäfte, verwilderte Parks, Junkies, Gangs.

Die Bewohner der Stadt ziehen sich in ihre Privatsphäre zurück. Es gibt immer weniger Gründe draußen zu sein. Tagsüber keine Jobs, nachts zu gefährlich. Mit dem Einbruch der Dunkelheit wird selbst die Polizei immer vorsichtiger, funktioniert nur noch in den besseren Vierteln.

Die Jugendlichen machen das, was sie immer tun, wenn sie sonst keine Chance haben: sie rebellieren – in Gangs, bei Straßenkonzerten und Raves, mit Drogen. Sie streben nicht nach Veränderung, aber sie wollen ihrer Existenz irgendeinen perversen Sinn verleihen, dem System den Mittelfinger zeigen.

Für die Kainiten ist Duisburg eine mittelgroße Domäne im größten Ballungsgebiet Europas. Mit seinem wirtschaftlichen Niedergang ist Duisburg immer uninteressanter geworden. Düsseldorf, Köln und Münster haben ihm schon lange den Rang abgelaufen, und neben Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Wuppertal oder Hagen sticht es auch nicht besonders heraus. Duisburg ist groß und scheiße.

In Duisburg gibt es kaum Elder. Die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg hat die älteren Generationen vernichtet, verschüttet oder ins Exil vertrieben. Vielleicht zieht es gerade deshalb junge, ambitionierte Kainiten an. Hier geht es nicht so förmlich zu wie in manch anderer Domäne und diejenigen, die anderswo abgehängt worden sind, haben hier vielleicht noch eine letzte Chance. Anarchen, flüstern die Camarilla-Snobs im feinen Düsseldorf. Dünnes Blut.

Und so wurde Duisburg zu einem Anziehungspunkt für Blender, für Träumer, für Aufsteiger und für gescheiterte Existenzen. Eine Stadt, die nach Verzweiflung riecht, ist für sie alle ein Symbol der Hoffnung.

Ihr seid alle erst seit kurzem (innerhalb der letzten sechs Monate) nach Duisburg gekommen. Die Domäne hat in den letzten Monaten im Dämmerschlaf gelegen. Prinz Francois Kauffmann (Brujah) war vor einem Jahr im Kampf gegen ein Rudel von Garou aus den Ardennen in den Torpor gefallen. In der Zwischenzeit hat es keine Elysia gegeben, die Clans blieben unter sich. Ihr Neuankömmlinge wurdet von seiner Vertreterin Marieke Nieuwendijk (Primogen der Brujah) empfangen, die in Prinz Kauffmanns Abwesenheit die Domäne verwaltet. Gestern rief sie euch zu sich und nahm euch als Gäste nach der fünften Tradition in der Domäne auf.

Die Sonne geht unter. Ihr erwacht in euren Havens. Die Stadt liegt vor euren Türen. Was werdet ihr tun? Sucht ihr Macht, sucht ihr Rache? Welche Träume habt ihr mit nach Duisburg gebracht, was verfolgt euch dorthin?

Soundtrack

Rackhir

Veröffentlicht von Rackhir

Autor von Zalú und zu vielen anderen Projekten gleichzeitig.

6 Kommentare zu „Campaign-every-other-day 2024 – Teil 18 (Vampire: the Masquerade – Duisburg 1986)

  1. Danke euch allen für die netten Kommentare. Das bestärkt mich darin, dass ich das eines Tages wirklich nochmal spielen muss. Ich hatte vor fast zehn Jahren schon mal eine Runde darin gestartet, aber ein paar Fehler gemacht und dann ist es im Sand verlaufen.

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