In meinem letzten Beitrag über Asterix bin ich mal davon ausgegangen, dass ich nicht erklären muss, worüber ich rede. Hier hole ich kurz aus. Das Stapelrecht war ein Konzept im Mittelalter, nach dem alle Waren, die durch eine Stadt transportiert wurden, zunächst dort für einige Tage zum Verkauf angeboten werden mussten, ehe der Weg fortgesetzt werden durfte. Mitunter konnten Händler:innen sich von dieser Pflicht mit sogenanntem Stapelgeld freikaufen. Mehr dazu auf Wikipedia.
Und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich stand schon mehrfach vor dem Problem, dass ich gerne Schmuggel und Schwarzmarkt in ein mittelalterliches Rollenspiel einführen wollte, aber mir nicht so richtig einfiel, was für Schmuggelgut dafür genutzt werden könnte. ENTRANCE STAPELRECHT! ALLE WAREN SIND JETZT SCHMUGGELGUT!
Händler:innen wollen in der Regel ihre Waren dort verkaufen, wo sie am dringendsten gebraucht wurden und damit die besten Preise erzielen. Das funktioniert aber nicht, wenn sie auf einer Durchfahrtsstadt zu ortsüblichen Preisen angeboten werden MÜSSEN. Verderbliche Ware konnte quasi überhaupt nicht durch Orte mit Stapelrecht transportiert werden. Den Händler:innen blieb also eigentlich gar nichts anderes übrig, als zu bestechen und zu schmuggeln.
Dieser wundervolle Auswuchs von Kleinstaaterei und irrsinniger Bürokratie ermöglicht es, in jeder Stadt einen kriminellen Untergrund zu etablieren, der noch dazu von vielen Leuten komplett befürwortet wird. Ein absoluter Jackpot für Spielrunden, die moralisch grau aber nicht gleich böse agieren wollen.
Und als Bonus macht das Stapelrecht einer Stadt unheimlich viele andere Leute wütend. Zum Beispiel Ortschaften, die die Waren eigentlich dringend brauchen würden, bei denen sie aber nie ankommen. Wir backen uns mit dem Stapelrecht also direkt auch noch ein paar potenzielle Krisen und Auseinandersetzungen in unser Setting.
Viel Spaß beim Schmuggeln,
-Seba
@kritischerfehlschlag.de Mach es noch etwas moralisch grauer, wenn sowohl die Stadt mit Stapelrecht, als auch das Wunschziel des Händlers die Ware benötigen. Am Wunschziel kann er nämlich höhere Preise erzielen, während die ortsüblichen Preise in der Stapelrecht-Stadt auch für einfache Menschen bezahlbar sind. Plötzlich ist die Bürokratie nicht mehr irrsinnig, nur "lokal-sinnig".
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@BjoernJagnow @kritischerfehlschlag.de
Schöne Abwandlung. Ich nehme alles, was Verbrechen glaubhaft macht 😀
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Super Artikel. Kommt auf jedenfall auf den Spieltisch. Stapelrecht… Großártig!Die einzige Möglichkeit die ich mal gefunden habe wo Schmuggel nicht zwangsläufig mit Illegalen Substanzen führt war ein Gesetz in England das Importeure von Wein verpflichtete Eibenrohlinge (Bowstaffs) mitzuliefern weil England der Rohstoff für ihre Langbögen ausgegangen ist.
Das wollten bestimmt auch einige umgehen.
Eine Zufallstabelle welche Handelsgesetze in der Stadt / Dorf/Baronie gerade gelten wäre toll. Vielleicht hat da jemand Lust zu.
Gruß Jan
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