Beim Rollenspiel müssen nicht immer Würfel rollen

Die wunderbare Welt der Würfel. In unserem Hobby, den Pen und Paper Rollenspielen, haben sich Würfel als Mittel der Wahl etabliert, um ein ungewisses Element ins Spiel zu bringen. Proben, Reaktionen, Tabellen… alles nochmal spannender, wenn man nicht genau weiß, was dabei heraus kommt.

Da sich in den Haushältern der Nerd-affinen Gesellschaft meist eh schon Würfel befinden, macht es ja auch Sinn diese zu nutzen. Selbst Leute, die vielleicht Spielen nicht als ihr Hobby betrachten, haben zumindest noch ein paar sechs-Seitige-Würfel (W6) in ihrem „Kniffel“ oder „Mensch ärgere dich nicht“ Set rumliegen.

Heute ist es auch kein Problem mehr, an wildere Variationen von Würfeln zu gelangen, im Bereich des Rollenspielhobbys sogar ein Muss! Dank des „beliebtesten Rollenspiels der Welt“ sind z.B. die 7er-Würfel-sets (W4,W6, W8, W10,W12,W20, W100) mitunter die verbreitetste Würfelkonvention im Rollenspielbereich. *Schnaaaarch*

Dadurch, dass Würfel mit dieser Selbstverständlichkeit in unserem Hobby verankert sind, ist es auch naheliegend, dass sie meist als Basis für zukünftige Rollenspielsysteme genommen werden. Würfellose System sind da eher die Ausnahme. Schade eigentlich, aber auch verständlich. Abgesehen von einer haptisch ansprechenden Komponente, bringen sie Suspense und Reibungen ins Spiel und das harmoniert natürlich oftmals mit den Geschichten, die man in einem Rollenspiel erzählen möchte.

Ja, Würfel sind cool und so, aber ich möchte hier gerne ein paar einfache Alternativen aufzeigen, wenn es darum geht einen zufälligen Wert zu bestimmen. Lasst uns mal die Konventionen ein bisschen biegen und brechen und schauen, ob etwas anderes entstehen könnte, wenn wir ein gängiges Element austauschen:


Autokennzeichen

Ihr sitzt gerade im Auto, lange Fahrt. Ein Spiel wäre schön, um die Zeit tot zu schlagen. Ein Rollenspiel. Vielleicht einen hübschen Prinzen retten? oder mit einem Atomkraft-getriebenen Powerhandschuh jemandem die Fresse einschlagen? Leider kein Würfel dabei? Kein Problem!
Jedes Mal wenn ein Zufallsfaktor ins Spiel kommen sollte, dann schau dir die letzte Ziffer vom Kennzeichen des Autos an, welches an euch vorbei braust. Da haben wir doch glatt die Werte von 0-9, quasi ein W10.
Vielleicht gibt es noch andere Zufallselemente auf der Straße, die von Interesse sein könnten. Die Autofarbe, die Autotypen oder die Anzahl der Mitfahrenden… probiert euch aus!
(Die fahrende Person möge bitte auf die Straße achten während alle anderen Spaß haben, Danke!)


Seitenzahlen

Ähnlich wie mit den Autokennzeichen, kannst du wieder ein W10er nachahmen, diesmal in dem du dir ein Buch aus deinem Regal schnappst. Blätter durch die Seiten und halte zufällig irgendwo an. Die „Einerstelle“ der Seitenzahl an der du stehen geblieben bist, gibt dir deinen Wert (0-9).
Bei einem Buch können natürlich ganz andere Elemente ins Spiel kommen als lediglich eine lappige Zahl. Vielleicht verbergen sich in der aufgeschlagenen Seite Wörter im Text, oder Elemente in Bildern die dir auffallen und im Spiel Inspirationen schaffen?


Stifte

Schon gemerkt, dass viele Stifte eine Sechskantform besitzen? Im Nu haben wir daraus einen Sechsseitigen Würfel gemacht. Dazu markierst du in einer Fläche eine Kerbe in dein Stift, auf der nächsten Fläche zwei, dann drei usw..
Zugegeben, das ist vielleicht nicht die aufregendste Würfelalternative, da es sich hierbei ja doch nur um ein W6 handelt. Es hält dich aber auch niemand davon ab, die Flächen mit allen möglichen Symbolen und Werten zu bestücken. Zudem bringt ein Stift schon ein anderes Element mit sich als ein Würfel. So kann ein Stift, wenn er geworfen (oder gedreht) wird, auch noch in eine Richtung Zeigen. Vielleicht lässt sich damit noch etwas Spannendes machen? Flaschendrehen-RPG anyone?


Karten

Mit Karten kann man einiges machen. Wir könnten natürlich wieder ein W6 nachbauen, indem wir sechs Karten, jeweils mit den Werten von 1-6, zu einem Stapel mischen. *Mundfurzgeräusch*

Was aber wenn wir in diesem Stapel noch eine weitere 2 und zwei weitere 3en rein mischen? Wir könnten quasi die Karten wie einen modularen „Würfel“ benutzen, an dem wir die Anzahl der „Seiten“ und Werte, beliebig verändern können. Und was ist, wenn wir diesen Stapel nicht jedes Mal wieder mischen nach dem ziehen? Wir könnten abschätzen welche Karten sich noch im Stapel befinden und plötzlich bringt das eine deterministische Komponente mit ins Spiel.
Vielleicht wollen wir Karten aber auch ganz anders benutzen? Wollen wir ein Kartenhaus bauen? Oder diese werfen? Denkt euch was aus.

Eine momentan sehr beliebte Methode, ist Karten als Auslöser zu nutzen. Wenn wir aus einem Poker / Tarot Deck eine Karte ziehen, repräsentiert diese etwas bestimmtes, womit die Erzählung vorangetrieben wird. Sie löst vielleicht einen Event aus, gibt den Spielenden Anregungen oder entscheidet gar, wann das Spiel endet.

Mit Karten geht EINIGES.

Beispiel: Cumulonimrod – https://isleintheheavens.itch.io/cumulonimrod

Beutel

In einem Beutel können wir ein vielfältiges Sortiment an Objekten verstauen (und herausnehmen). Als Beispiel, können wir eine grüne Murmel und zwei schwarze Murmeln in den Beutel stecken. Wenn wir nun eine Murmel herausnehmen dürfen, könnte die grüne Murmel für etwas positives stehen und die schwarze Murmel für etwas negatives.
Ähnlich wie mit Karten, können wir die Wahrscheinlichkeiten manipulieren, indem wir Elemente hinzufügen oder entfernen. Warum nicht also gleich mit Karten spielen? Anders als mit einem Stapel Karten, können wir in einem Beutel die Anzahl der verfügbaren Elemente geheim halten. Zudem können wir auch verschiedene Formen innerhalb des Beutels beherbergen. Ein Beutel bringt also nochmal ganz andere Nuancen mit sich.
Niemand weiß genau, was aus diesem Beutel herausgezogen wird…

Beispiel: Beutelschneider – https://d6ideas.com/tag/beutelschneider/

Münzen

Eine einzelne Münze wirkt erst mal etwas langweilig.
Kopf oder Zahl.
50 / 50.
Wert von 1 oder 0.
Mit 5 Münzen ist es schon spannender. Jetzt haben wir plötzlich sechs Werte (0-5). Ist das also ein W6? Nicht ganz, eher wie ein W6 mit einer Wahrscheinlichkeitskurve. Mit den Werten in der Mitte 2&3 am wahrscheinlichsten, gefolgt mit den Werten 1&4, und am seltensten sind die Spitzenwerte 0&5.

Mit zwei weiteren Justierungen kann man die Situation sogar noch interessanter gestalten:
1. Man darf nachwerfen, bis zu dreimal.
2. 0 ist der höchste Wert.
Habe ich beim ersten Wurf nur ein Kopf liegen (also einen Wert von 1) muss ich jetzt Entscheidungen treffen:
will ich mit meinen restlichen Würfen versuchen die eine Münze auf Zahl zu bekommen, um eine 0 und somit den höchsten Wert zu erreichen?
oder will ich lieber auf Nummer sicher gehen und die vier anderen Münzen werfen, in der Hoffnung zumindest einen höheren Wert als 1 zu bekommen?

Und so haben wir ein push-your-luck Element implementiert. Cool.

Beispiel: Dirty Earthmomma Oracle – https://crlbox.itch.io/dirtyearthmommaoracle


Hände

Keine Autos, Stifte, Karten, Beutel und Münzen zu Hand? Dann ähh…nutzen wir doch einfach unsere Hände, ja? Es geht darum eine zufällig generierte Zahl zu erhalten, jedoch erweist sich das als schwierig, dies alleinig zu erzielen. Wenn wir allerdings unsere Hände und die der Person gegenüber von uns nutzen, dann ist das wiederum machbar.
Beide Personen stehen (sitzen, liegen) gegenüber und zeigen, mit ihren Fingern hinterm Rücken, eine Zahl zwischen 1 – 10. Auf drei werden die Finger offenbart und die Differenz zwischen den beiden Werten, ist die „generierte“ Zahl!
Zauber, Zauber.

Alternativ ginge das auch mit aufschreiben, oder rein verbal.

Beispiel: Walkmage – https://nealyboy.itch.io/walkmage

Gibt es besondere Würfelalternativen, die ich vergessen habe aufzuschreiben? Bestimmt!

Lasst es mich wissen und frohes Schaffen ❤
– Carl | CrlBox

3 Kommentare zu „Beim Rollenspiel müssen nicht immer Würfel rollen

  1. Man kann in einem Text (z.B. auf einer beliebigen Buchseite oder auf dem Bildschirm) mit einem Fingernagel ohne hinzugucken auf einen beliebigen Punkt zeigen. Das Wort, das dort (oder am nächsten dran) steht, wird ausgewertet, z.B. nach Zahl der Buchstaben, oder nach Anzahl der verschiedenen Vokale. Es drängt sich vielleicht sogar auf, aus der Bedeutung des Worts oder seines Kontextes Inspiration zu ziehen. (Ceterum censeo lorem ipsum esse delendam!)

    Du sitzt auf der Parkbank, magst keine stressigen Spiele, und hast eine Uhr oder sonst irgendein chronometriefähiges, smartes oder unsmartes Endgerät dabei? Oder du zählst gerne im Kopf Sekunden? Wenn etwas oder jemand vorbeikommt, miss die Zeit, bis das nächste, vergleichbare Etwas auftaucht. Wieviel Sekunden vergehen von Hund zu Hund, oder von grünem Auto bis zum nächsten grünen Auto? Die Einerstelle kannst du als W10 auswerten.

    Like

Hinterlasse einen Kommentar