A-bloody-or-not-so-bloody-crime-scene 2026 – Teil 11 (Mord im Amt für fehlerhafte Erinnerungen)

Ein Tatort für Electric Bastionland von Kreggen

Die SC werden von Roderich zu Schmetterknall (dem Bürgermeister ihres Bezirks) engagiert, um einen Mord im Amt für fehlerhafte Erinnerungen aufzuklären. Polizeirat Wutkriecher, der Cousin des Bürgermeisters, ist momentan anderweitig beschäftigt. Dass sowohl der Bürgermeister als auch der Polizeirat circa 30 cm große Brüllraupen mit übergroßen Hüten sind, ist für den weiteren Ablauf zweitrangig.

Der Tatort

Das Amt für fehlerhafte Erinnerungen liegt in einem schiefen Verwaltungsgebäude zwischen einer stillgelegten Zahnradbahn und einem Friedhof für Schreibmaschinen.

Hier werden Erinnerungen korrigiert, gelöscht, vertauscht, abgestempelt oder gegen geringe Gebühren neu formuliert.

Jeder Bürger von Bastion sollte mindestens eine offiziell registrierte Falscherinnerung besitzen.

Die SC werden von Lotsmoke Mauler, dem zuständigen Amtsleiter in Empfang genommen, einem schwarzweiß bepelzten Humanoiden im Frack, mit spitzen Ohren und Monokel. Er fungiert als Ansprechpartner für die SC im Gebäude und kann auch fast alle Fragen beantworten, die nicht unmittelbar mit dem Mord zu tun haben.

Die Tat

Vor drei Tagen ereignete sich im Amt ein grausames Verbrechen.

Um 03:17 Uhr nachts wurde imZimmer 13 („Traumatische Kindheiten, alphabetisch“) im 5. Stock ein Angestellter brutal ermordet. Am Tatort befinden sich:

  • meterhohe Aktenschränke
  • knietiefer Papierstaub
  • tropfende Rohre voller Archiv-Tinte
  • ein defekter Erinnerungsprojektor
  • überall blutige Fußspuren … die jedoch alle in unterschiedliche Richtungen laufen

Das Opfer:

  • wurde an einen Registraturschrank genagelt
  • die Brust wurde geöffnet
  • das Gehirn wurde teilweise entfernt
  • sämtliche persönlichen Erinnerungssignaturen wurden gestohlen

Auf der Wand steht mit roter Stempelfarbe geschrieben:

„DAS WAR NICHT MEINE ERINNERUNG.“

Das Opfer (Oberarchivar Wilbur Kreide)

Er war ein hagerer Beamter mit transparent wirkender Haut, ständig zitternden Fingern, einer Taschenuhr ohne Zeiger und einem künstlichen dritten Auge aus Messing.

Er war verantwortlich für:

  • die Lagerung verbotener Erinnerungen
  • staatsgefährdende Déjà-vus
  • konfiszierte Kindheitserinnerungen
  • Erinnerungen an Orte, die nicht existieren

Das Problem: Wilbur hat heimlich Erinnerungen manipuliert.

Er verkaufte reichen Bürgern:

  • falsche Kriegserlebnisse
  • erfundene Liebesgeschichten
  • künstliche Traumata („macht interessanter“)
  • nostalgische Kindheiten aus fremden Biografien

Dafür stahl er Erinnerungen von Bürgern aus armen Bezirken.

Warum wurde er ermordet?

Nunja. Vor zwei Wochen entdeckte Wilbur etwas Unmögliches: Eine Erinnerung, die niemandem gehörte. Die Akte hieß: „Erinnerung #1576: Die Stadt vor Bastion“

Jeder, der sie betrachtete:

  • bekam Nasenbluten
  • vergaß seinen eigenen Namen
  • hörte entfernte Sirenen
  • erinnerte sich plötzlich an eine schwarze Sonne

Wilbur begann, auch diese Erinnerung teuer zu verkaufen.

Doch der Täter wollte verhindern, dass sie weiterverbreitet wird.

Der Täter (Registraturgehilfe Elmar Voss)

Elmar ist kleiner nervöser Mann mit Glatze, ist stets höflich und gut gekleidet, riecht nach nassem Karton und trägt 14 Schlüsselketten.

Sein Geheimnis: Er besitzt keine echten Erinnerungen. Das Amt erschuf ihn vor Jahren versehentlich aus archivierten Persönlichkeitsfragmenten, vergessenen Namen und falsch abgehefteten Träumen. Er ist buchstäblich ein Verwaltungsfehler.

Das Tatmotiv

Auch Elmar bekam die Erinnerung „Die Stadt vor Bastion“ in die Hände. Dadurch erinnerte er sich plötzlich daran, dass er kein echter Mensch ist

Er begriff nun mit erschreckender Erkenntnis, dass Wilbur fremde Erinnerungen wie Ware verkaufte. Er erkannte, dass sich dadurch die Persönlichkeiten der Bürger destabilisierten.

Manche Bürger wachten mit einem komplett fremden Leben auf und Bastion selbst begann durch diese Falscherinnerungen „undicht“ zu werden

Elmar war fest davon überzeugt: wenn er Bastion und seine Bürger retten wollte, musste Wilbur sterben. Der Mord ist in seinen Augen notwendig gewesen.

Nach dem Mord entfernte Elmar Wilburs Erinnerungssignaturen, um zu verhindern, dass jemand die Erinnerung an den Mord rekonstruiert.

Die Zeugen

Die blinde Archivistin Marta Coil behauptet, sie habe „das Schreien von Papier“ gehört, die Aktenschränke hätten sich bewegt und jemand habe rückwärts gesprochen.

Ihr Problem: Ihre Erinnerungen werden täglich überschrieben. Jede Befragung ergibt andere Aussagen. Aber alle paar Stunden wiederholt sie denselben Satz:

„Herr Kreide hat arme Leute ausgesaugt.“

Auf Nachfrage kann sie das nie erklären. Das ist nämlich keine Erinnerung; es ist ein Trauma, das selbst die täglichen Überschreibungen nicht vollständig löschen können.

Der Liftführer „Nummer 4“ ist eine uralte Biber-Posse und wohnt im Fahrstuhl. Er behauptet vehement, dass niemand den 7. Stock betreten habe (das Gebäude besitzt nur 5 Stockwerke).

Er transportiert ausschließlich Beamte, Leichen und verlorene Gedanken. Manchmal alles gleichzeitig. Er glaubt, dass der Mörder noch im Gebäude ist.

Der Tatort selbst! Der Zimmer 13 besitzt einen defekten Erinnerungsprojektor.

Er projiziert Fragmente der Tat, jedoch in falscher Reihenfolge und teilweise aus Sicht der Möbel.

Eine Szene zeigt beispielsweise den Täter, aber mit dem Gesicht des Opfers, während die Wände applaudieren.

Der mysteriöse 7te Stock

Der 7. Stock existiert tatsächlich – allerdings nur als Erinnerung.

Vor Jahrzehnten besaß das Gebäude sieben Stockwerke. Als die ersten Experimente mit der Erinnerung „Die Stadt vor Bastion“ außer Kontrolle gerieten, wurde der gesamte 6. und 7. Stock administrativ gelöscht. Nicht zerstört. Gelöscht!

Alle Akten wurden umgeschrieben, Baupläne verändert und die Erinnerungen sämtlicher Angestellten angepasst. Seitdem „weiß“ jeder, dass das Gebäude nur fünf Etagen besitzt.

Nur Nummer 4 erinnert sich noch. Denn er ist älter als die Löschung und Biber-Posse können sich nicht an Bauvorschriften halten.

Er verwechselt ständig Vergangenheit und Gegenwart und murmelt Dinge wie:

„Der Herr mit den zwölf Augen wollte nach oben, aber ich hab ihn nicht gelassen.“

„Niemand hat den siebten Stock betreten. Ganz bestimmt nicht.“

„Seit dem Vorfall transportiere ich keine Sonnen mehr.“

„Der Fahrstuhl fährt da sowieso nicht mehr hin. Es sei denn, er will.“

Die Spieler werden ihn wahrscheinlich zunächst für verrückt halten.

Aber Nummer 4 transportierte Wilbur regelmäßig nachts.

Er erinnert sich an Fahrten mit nur einem Fahrgast, obwohl beim Aussteigen plötzlich zwei Personen vorhanden waren.

„Immer dieselbe Sache. Einer steigt ein und zwei Erinnerungen steigen aus.“

Falls sie später den Erinnerungsprojektor oder den Mnemonische Vergleichsapparat im Keller benutzen:

Sie entdecken, dass sich zwischen dem 5. Stock und dem Dach manchmal kurz ein weiterer Knopf „7“ materialisiert.


Was befindet sich im 7. Stock?

Dort lagern die ersten Akten über die „Stadt vor Bastion“.

Die Räume sind verlassen, aber nicht leer:

  • Registraturschränke führen Selbstgespräche.
  • Die Fenster zeigen eine fremde Stadt unter einer schwarzen Sonne.
  • Alle Uhren stehen auf 03:17.
  • In Zimmer 713 sitzt seit Jahrzehnten ein Angestellter, der noch nicht bemerkt hat, dass seine Etage ausgelöscht wurde.  Er arbeitet weiterhin gewissenhaft und stempelt Formulare von Personen ab, die nie existiert haben.

Vielleicht kam der Mord gar nicht aus Zimmer 13, sondern aus Zimmer 713?

Ermittlung und Aufklärung

Die Ermittler müssen:

1. Die echten Erinnerungen rekonstruieren

Problem: Fast alle Beteiligten besitzen manipulierte Erinnerungen.

Lösung: Im Keller lagert ein Gerät: Der Mnemonische Vergleichsapparat

Das ist elektrodampfbetriebene Maschine mit Zahnrädern, Blutfiltern und singenden Röhren.

Sie kann Erinnerungen vergleichen, vertauscht dabei aber zufällig Kindheitserlebnisse der Anwesenden.

2. Die gestohlenen Erinnerungssignaturen finden

Die Signaturen wurden in kleine Wachsplatten gepresst und in den Rohrleitungen des Gebäudes versteckt. Doch die Rohre „merken sich“, wer sie manipuliert hat.

Später tropfen sie belastende Erinnerungen zurück (siehe die tropfenden Rohre im Zimmer 13).

Wer einen Tropfen auf die Haut bekommt, erlebt für Sekunden:

  • einen Veteranen, der nie Soldat war;
  • eine Frau, die sich an drei verschiedene Kindheiten erinnert;
  • Wilbur, der sagt: „Eine tragische Vergangenheit kostet extra.“

3. Herausfinden, was „Die Stadt vor Bastion“ ist

Je näher die Ermittler der Wahrheit kommen, desto mehr verändert sich das Gebäude. Türen führen an falsche Orte, Beamte vergessen ihre Gesichter, Akten schreiben sich selbst um.

Am Ende könnte sich herausstellen: Bastion selbst ist eine implantierte Erinnerung.

Und das Amt existiert nur, um die Bürger daran zu hindern, sich an die Wahrheit zu erinnern.

4. Die Nacht-Schreibmaschine

Eine Schreibmaschine tippt nachts Zahlungsbelege unbekannter Personen.

  • „Kriegserinnerung Premium“
  • „Verlorene Jugend – Deluxe“
  • „Kindheit mit Hund (+15 Neupfund)“

Alle Belege tragen Wilburs Signatur. Einige Kunden sind bekannte Persönlichkeiten Bastions.

5. Wilburs Schreibtisch

Wilburs Schreibtisch besitzt nur scheinbar vier Schubladen.

Der Erinnerungsprojektor zeigt jedoch fünf.

Wird die falsche Erinnerung eines Anwesenden geopfert (oder der Vergleichsapparat benutzt), erscheint die fünfte Schublade.

Darin befinden sich: Schwarzmarkt-Kundenlisten; Preislisten für falsche Erinnerungen; leere Wachsplatten und ein Stempel, der „AUTHENTIZITÄT OPTIONAL“ stempelt.

Skurrile Hinweise

  • Das Opfer hat nach seinem Tod noch drei Formulare unterschrieben
  • Der Täter hinterließ absichtlich falsche Erinnerungen am Tatort
  • Ein Aktenschrank behauptet, Zeuge gewesen zu sein
  • Die Blutspuren ergeben auf einer Karte der Stadt ein Wort
  • Jemand im Amt erinnert sich an die Zukunft
  • Der Kaffeeautomat kennt den Täter beim Namen
  • Sämtliche Uhren im Gebäude gehen rückwärts — außer einer

Gefahren

Die Demonstration der Vergessenen

Die Straße vor dem Amt ist voller Demonstranten.

Alle tragen Schilder wie:

„GEBT MIR MEINEN DONNERSTAG ZURÜCK!“

„ICH WAR MAL GRÖSSER!“

„WER BIN ICH EIGENTLICH?“

„GIB MIR MEINEN HUND ZURÜCK!“

Das Problem: Niemand weiß mehr, wogegen demonstriert wird.

Jede Minute ändert sich das Anliegen der Menge.

Einige Bürger sind überzeugt, sie seien:

  • Lokomotiven
  • ehemalige Bürgermeister
  • die Ehefrau eines Leuchtturms

Die Demonstranten mit den „GIB MIR MEINEN HUND ZURÜCK!“-Schildern sind besonders interessant.

Denn: sie haben nie einen Hund besessen.

Wenn die SC nachforschen, stellen sie fest:

Wilbur hat denselben glücklichen Kindheitshund dutzendfach verkauft.

Der Hund hieß Bello. Und irgendwo in Bastion laufen jetzt zwanzig Menschen herum, die überzeugt sind, Bello sei ihr geliebter Kindheitsbegleiter gewesen.

Plötzlich erkennt ein Demonstrant einen SC.

„DA IST ER! DER MANN, DER MIR MEINE KINDHEIT GESTOHLEN HAT!“

Ob das stimmt, weiß niemand.

Vielleicht besitzt der Demonstrant tatsächlich eine Erinnerung an den SC.

Vielleicht wurde sie ihm eingepflanzt. Wird der Demonstrant besiegt, kann man eine der gestohlenen Erinnerungssignaturen des Mordopfers bei ihm finden.

Das Fahrende Amt für Rückwirkende Steuern

In einer Seitenstraße steht eine mobile Behörde: ein strombetriebener Wagen voller Buchhalter.

Die Beamten suchen Bürger, die:

  • zu viel Glück hatten
  • zu wenig Unglück erlebt haben
  • Erinnerungen ohne Genehmigung besitzen

Jeder Passant wird geprüft. Auch die SC. Die Beamten stellen fest:

„Mindestens eine Ihrer Erinnerungen wurde nicht ordnungsgemäß versteuert.“

Natürlich können die SC unmöglich beweisen, dass dies falsch ist.

Lösungsmöglichkeiten:

  • Bestechung
  • Flucht
  • bürokratische Gegenangriffe
  • ein Formular-Duell

Fun Fact: Die Steuerbeamten sind gar keine Menschen. Unter ihren Anzügen befinden sich stapelweise Formulare, die sich irgendwann selbstständig gemacht haben. Und daher sind sie … brennbar …

Bonus-Begegnung

Der Zeuge im Kanal

Unter dem Amt lebt ein Wesen: ein riesiger Aal mit einem menschlichen Gesicht.

Er nennt sich „Herr Protokoll“ und frisst seit Jahren entsorgte Akten.

Dadurch kennt er geheime Verwaltungsakten, verschwundene Personen und alte Erinnerungen.

Er behauptet: „ICH HABE DEN MORD GESEHEN.“

Das Problem: Für jede Frage verlangt er eine Erinnerung als Bezahlung. Je wertvoller die Erinnerung, desto präziser die Antwort.

Am Ende wissen die SC vielleicht mehr über den Mord – aber haben vergessen, warum sie ihn überhaupt aufklären sollten.

Veröffentlicht von Seba

Schreiberling aus Hamburg

2 Kommentare zu „A-bloody-or-not-so-bloody-crime-scene 2026 – Teil 11 (Mord im Amt für fehlerhafte Erinnerungen)

  1. Holy Guacamole! Ich habe keine Ahnung von Bastionland, aber einen Film mit dieser Handlung würde ich mir mit Begeisterung ansehen – am besten von Terry Gilliam oder Spike Jonze.

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  2. Ei, das ist wirklich super geworden! Ich bastel mir jetzt auch ein Schild, muss nur noch überlegen, was ich drauf schreiben soll.
    Sehr schöne Ideen auf jeden Fall und super für Electric Bastionland!

    Gefällt 1 Person

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