Ölbaumplantage #25: Schwert, Bogen, Zauberstab

Dieser Beitrag entsteht, weil ich über meinen vorigen Beitrag #24 „Pfeile zählen“ und die Themen, die er aufwarf, nocheinmal mehr nachgedacht habe.

Im vorigen Beitrag kam ich zur Erkenntnis, dass mindestens zwei unterschiedliche Spielkulturen aufeinanderprallen, wenn es um Themen wie Pfeile zählen oÄ geht. Was ich damit meine, versuche ich hiermit für mich und euch aufzuschlüsseln und wenn nicht eine Lösung, dann zumindest ein Verständnis zu entwickeln.

Ein Charakter zieht aus in die Gefahr und nimmt ein Schwert in die Hand. Damit werden mindestens zwei Versionen dieses Charakters in den Köpfen des Spieltisches beschworen.

#1: Schwertkampf-Charakter. Dieser Charakter versteht sich als Schüler der Klinge, sucht die Auseinandersetzung oder möchte Verbündete verteidigen. Der Charakter ist anderen Waffen eher abgeneigt, vor allem aber Fernkampfwaffen oder sogar die Anwendung von Magie. Das Schwert ist mehr als ein Werkzeug, es ist eine Identität.

#2 Charakter mit Schwert. Dieser Charakter besitzt ein Schwert um sich zur Wehr zu setzen, wenn es unweigerlich zu einem Scharmützel kommt – ist aber froh wenn es nicht eingesetzt werden muss und die Gefahr anderweitig abgewendet werden kann (vielleicht per Pfeil oder Zauberei). Das Schwert wird nur als Teil des eigenen Repertoires betrachtet und nur verwendet, wenn es nicht anders geht.

Ich werde mich nicht in heiße Kohlen setzen und behaupten, eine der beiden Versionen sei besser als die andere. Meine Erfahrung lehrt mich, dass diese beiden Betrachtungsweisen an fast jedem Spieltisch zu finden sind.

Auch sind diese beiden Versionen auf das Beispiel Bogen oder Zauberstab anzuwenden. Bin ich nun beherzte Bogenschützin oder habe ich nur „auch“ einen Bogen dabei? Bin ich bornierter Magier oder kenne ich nur die Sprüche und habe meine Zutaten in der Not zur Hand?

Unterschiedliche Regelwerke gehen unterschiedlich an diese Rollen oder Konfliktbewältigungen heran. Manche stützen sich auf Balancing, manche auf Realismus aber, mMn, wenige stützen sich darauf, Schwert, Bogen und Zauberstab auch unterschiedliche Probleme oder Lösungsansätze zu bieten, die ihnen spezielle Nischen oder Rampenlichter verpassen.

Spielendenfreundlichkeit und Balancing sind für mich in einem TTRPG nicht das Gleiche. Balancing wird dann wichtiger, je unflexibler und formulaisch die SCs gestaltet werden. Das muss nichts mit Klassensystemen zu tun haben, passiert dort aber häufiger.

Für mich ist es auch nicht notwendig, dass drei verschiedene Charaktere das gleiche Problem gleich gut lösen können. Aber das ist meine persönliche Vorliebe und Spielweise. Nachfolgend sind zwei Tabellen, die meine Betrachtungen vielleicht sichtbarer machen,

SchwertBogenZauber(stab)
Macht°°°°°°
Kosten°°°
Aufwand°°°
Gefahr°°°°°

Die obere Tabelle beschreibt, wie ich persönlich die Aufgabenfelder der diversen Waffengattungen betrachte und wie sie ideallerweise auch in Regelwerken spannend wiedergespiegelt werden sollten – aber selten sind.
Die untere Tabelle beschreibt, wie ich persönlich die meisten Regelwerke einschätze, diese unterschiedlichen Aufgabenfelder wirklich zu erreichen.

SchwertBogenZauber(stab)
Macht°°°°
Kosten°°°
Aufwand°
Gefahr°

Mein Fazit ist, dass sich oft lieber bemüht wird, die drei Spielweisen so nahe aneinander zu legen wie nur möglich, um sich keine Gedanken über (mMn) spannende oder ansprechende Unterscheidungen der Spielstile zu machen.

Ich kann diese Herangehensweise verstehen, heiße sie aber nicht gut. Meine Auseinandersetzung mit diesem Thema wird mich zwangsläufig auch noch zu einem dritten Artikel bewegen – nämlich der tatsächlichen Rolle die Ausrüstung in TTRPGs spielt – oder manchmal leider nicht mehr spielt.

Bis dahin!
~Eure Ölbaumpflanze

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