Mit Essen spielt man (nicht)

Essen und Nahrungsmittel im Rollenspiel: Einsatzmöglichkeiten, Abenteueraufhänger und Beispielrezepte

Ein Gastbeitrag von Brigitte Massek aka Carabas Crafts.  Vielen lieben Dank an dieser Stelle.


Wenn ich an meine Rollenspielrunden zurückdenke, erinnere ich mich an Berge von Knabberkram am Tisch, Essenspausen mit bestellter Pizza oder das gemeinsame Kochen an einem langen Rollenspielwochenende. Ob das gesund war oder nicht, sei dahingestellt, aber es ist auch unbestreitbar, dass die meisten von uns ziemlich ähnliche Erinnerungen an Rollenspiel haben. Auch das Spielen am Tisch selbst erinnert häufig an eine große Familie, die sich zum gemeinsamen Essen und Austausch trifft.

Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass Schokolinsen als Gummipunkte oder Gummitiere, die sogar farbkodiert werden können (besonders Kreative mod-en sie sogar), als Gegner auf den Karten Verwendung finden. Schließlich darf die Person, die den finalen Schlag ausführt, auch den süßen (oder sauren) Platzhalter essen.

Genauso wenig überrascht es, dass auch in den Spielen selbst Essen bzw. Nahrung oft eine Rolle spielt. Manchmal ist es eine Hungersnot, die Held*innen dazu zwingt auf die Jagd zu gehen oder wie bei einigen Survival Games Buch über die eigenen Vorräte zu führen. Auch die Beschaffung von bestimmten Lebensmitteln kann ein guter Aufhänger für einen Plot sein:

  • Auf Grund einer Hungersnot, die durch die Folgen eines Krieges ausgelöst wurde, können sich die wenigen Bewohner*innen von Dorf X nicht mehr selbst versorgen und brauchen eine neue Nahrungsquelle. Vorbeikommende Reisende sind daher eine willkommene Hilfe, denn sie haben vielleicht auf ihrem Weg etwas entdeckt, das dem Dorf helfen kann.
  • Da der böse Y jedes Jahr mehrere Menschen für seine Gottheit opfern lässt, um seine unheilige Macht zu erneuern, wird eine Lotterie unter allen Anwesenden im Königreich ausgerichtet. Das Schicksal meint es nicht gut mit den Held*innen und sie sollen beim nächsten Neumond am Schafott enden. Am Abend vor der Zeremonie soll ein großes Bankett für alle ausgerichtet werden, an dem auch der König teilnehmen wird (hier gerne exotische Lebensmittel verwenden, damit der König seine Macht demonstrieren kann). Die letzte Chance das Essen zu vergiften oder Schlafmittel darunter zu mischen und zu entkommen oder den Bösewicht seiner gerechten Strafe zuzuführen.
  • Die Gruppe bekommt den Auftrag ein Rezept zu finden, um das Lieblingsessen der sterbenden W zuzubereiten, um sie glücklich in die nächste Welt gehen zu lassen, damit sie auf Grund ihrer besonderen Magie nicht als Banshi/ böser Geist/ [untotes Monster hier einfügen] wiederkehrt. Doch das Rezept ist verschwunden und die Held*innen müssen sich beeilen, bevor es zu spät ist.
  • Im Wald verschwinden immer wieder Personen, weswegen die Abenteurergruppe gebeten werden nach dem Grund zu suchen. Nach mehreren Stunden werden sie von einem süßen Duft überrascht und finden wenige Zeit später eine Lichtung, auf deren Mitte ein Baum wächst. Seine Äste hängen schwer von Süßigkeiten und anderen Leckereien herab, ideal um nur die Hände nach dem leckeren Essen auszustrecken. Doch sollten sie das wagen, werden sie erkennen, was der Baum wirklich ist: ein gefräßiges Monster, an dem sie kleben bleiben werden und dass sie langsam in seine Krone zu seinem Mund führen wird, um sie zu verspeisen…
  • Die Tochter eines Verwanden eines Spieler*innencharakters ist krank geworden. Die Ärzt*innen sind ratlos, aber eine alte Legende spricht von einem mythischen Wesen in den Bergen, dessen Fleisch alle Krankheiten heilen kann. Gemeinsam machen sich die Abenteurer*innen auf die Suche, um diese Wesen zu erlegen und das Mädchen wieder gesund zu machen.

Aber Nahrungsmittel können noch viel mehr. Sie und die Art wie sie zubereitet werden zeigen auch den Unterschied zwischen den Ständen auf: so werden sich Bauer*innen hauptsächlich von Getreidebrei und schnell wachsendem Gemüse ernähren, Sklav*innen hingegen erhalten nur den Brei, während Soldat*innen sich ihre Mahlzeiten gelegentlich mit Fleisch aufbessern können und die Oberschicht alles essen kann, was und wann sie will und nicht einmal weiß, was auf ihren Tellern liegt. Reisendes Volk benötigt hingegen lang haltbare Lebensmittel, die sich gut transportieren und einfach verarbeiten lassen. Die Zubereitung einfacher Rezepte findet dabei am Lagerfeuer statt.

Eintopf

Ein Klassiker für jedes Lagerfeuer. Kann leicht mit ein paar anderen Zutaten abgewandelt werden.

Zutaten: Fleisch von einem Tier mit Klauen (ganz und fein zerkleinert), getrocknetes Fleisch in Gedärm, mehrschichtige Knollen, Knollen zur Ungeheuer Abwehr, Blut von Nachtschatten, Kräuter der Gegend, Bier, rote Bohnen, lange Feuerbohnen, aromatische Körner

Zubereitung: Beide Sorten Knollen und die Feuerbohnen hacken, Fleisch würfeln. Das Fleisch im heißen Feuertopf anbraten und bei Seite stellen. Die Knollen mit dem noch rohen, fein zerkleinerten Fleisch anrösten und anschließend alle anderen Zutaten, die das Feuer ertragen, hinzufügen, umrühren und mit geschlossenen Deckel 2 Stunden köcheln lassen. Anschließend Kräuter mit zarten Blättern hinzufügen und die Schüsseln gemeinsam leeren.

Energiespender

Perfekt um Energie nach einer Schlacht zurückzuerlangen oder die Batterien nach einer durchgearbeiteten Nacht in der Bibliothek wieder aufzuladen. Ebenfalls für das Kochen am Lagerfeuer geeignet.

Zutaten: gestockte Milch, Öl, Eier, süßes Pulver, Mehl, Backpulver, Verkaufsschlager des Alchemisten (weißes Pulver; findet man häufig bei Bäckern), 4 Äpfel, süße Gewürze nach Wahl

Zubereitung: Alle Zutaten, außer die Äpfel, glattrühren. Die eine Hälfte der Äpfel würfeln und in die Masse geben, die andere in Scheiben schneiden und darauflegen. Mit geschlossenen Deckel 45 Minuten backen bis der Teig braun ist.

Anmerkung für die Spielleitung

Sollten SCs sich dazu entschließen Monsterteile zu verwenden, liste je 3 positive und 3 negative Eigenschaften des Monsters abwechselnd auf und würfle mit 1W6. Das fertige Mahl verleiht nach dem Verzehr für mindestens eine Stunde die erwürfelte Eigenschaft. Um daraus einen Abenteueraufhänger zu spinnen, kann diese Zeit jedoch gerne ausgeweitet werden.
Kleiner Tipp: Es ist besonders schön, wenn ihr im Anschluss die Rezepte gemeinsam (im Dutch Oven oder Kochtopf) nachkocht.

Zutatenerklärung

Eintopf (Chili con Carne) Rindfleisch und Hack, Wurst, Zwiebeln, Knoblauch, Tomatenmark, Kräuter, Bier, Kidneybohnen, Chilischoten, Kümmel

Energiespender (Apfelkuchen) Joghurt, Öl, Eier, Zucker, Mehl, Backpulver, Natron, Äpfel, z.B. Zimt


Bestimmte Gerichte können auch Erinnerungen und Gefühle hervorrufen. Vielleicht überlegt ihr euch beim nächsten Mal ein paar Gerichte, die euren Charakteren wichtig sind und welche, die sie gar nicht ausstehen können. Wie würde es sich anfühlen in einem niederschmetternden Moment von einem NSC oder einem SC das Lieblingsgericht zu erhalten? Oder was wäre, wenn euer Charakter Kartoffeln nicht ausstehen kann, weil er oder sie in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und diese jeden Tag essen musste, die Held*innengruppe aber in ein Dorf gelangt, wo das Kartoffelfest gefeiert wird und eine Woche nur Kartoffelgerichte serviert werden?

Wie ihr seht, ist Essen mehr als Nahrung: es ist Nostalgie, Erinnerung, lebensnotwendig und das, was uns mit unseren Mitmenschen verbindet. Und hin und wieder dürfen wir gerne auch damit spielen.

Veröffentlicht von grannus

Über mich kannst du auf dem Blog unter "Team" lesen. Ansonsten bin ich am liebsten Papa, Autor und Spielleiter.

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