One-Shot Guide


Moin zusammen,
es ist wieder soweit. Halloween steht vor der Tür und die heldenhaften Abenteurer setzten ihre Schlapphüte/Kosmonautenhelme auf, um ein Abenteuer voller kosmischer Schrecken jenseits der menschlichen Vorstellung zu erleben.
Ich nehme hier mal die Halloween One-Shots als Anlass, meine kleine Best-Practice Sammlung zu veröffentlichen. Alles subjektiv, ohne Gewähr und ohne Gewehr.


Kenne deine Gruppe wie dich selbst. Kenne dein System wie dein Abenteuer und kenne den Zeitplan. Dann wirst du auch in 1000 One-Shots Spaß haben.

– frei nach Sun-Tzu

Dein erster One-Shot wird nicht perfekt laufen, aber das muss er auch nicht. Es ist toll, dass du leitest und du solltest die Goldene Regel des Spielleitens beachten: Du sollst auch Spaß haben!

Einen großen Vorteil hast du, wenn du weißt, WER mitspielt. Ist deine Gruppe rätselstark, kampferprobt oder rollenspielverliebt? Welche Systeme kennt deine Gruppe?

Manchmal hast du diesen Vorteil nicht, deshalb stelle ich dir einige Tipps vor:


Tipp 1: Wähle das System weise.

Es gibt Systeme, die besonders gut für schnelles Spiel geeignet sind: Call of Cthulhu lässt sich in 10 Minuten erklären, Borg und OSR Varianten haben minimale Regeln und sind teilweise extra für schnelles Spiel auf Conventions entwickelt worden. Aber es kann auch sein, dass du und deine Gruppe so versiert in D&D seid, dass du nach 5 Minuten Einführung in die Action startest. Es gilt: Regelkenntnis spart dir Zeit, bei Spielern sogar doppelt!

Trick: sage vorher, dass du nach “eigenen Hausregeln” spielst. So kannst du Regeln biegen, erfinden oder interpretieren wie es am besten passt. Wenn ein Spieler protestiert sagst du: “Ja ich weiß, aber ich hab den One-Shot mit Hausregeln geschrieben. Nur so funktioniert er.”

Tipp 2: Schätze die Dauer des One-Shots.

Schätze zuerst die Dauer deines Abenteuers in Szenen ab, dann rechne diese in Stunden um. Es gilt: je kleiner die Gruppe, desto schneller bist du durch die Szene. (Ich habe den selben One-Shot mit 2  Spielern doppelt so schnell geschafft wie mit 4 Spielern.)

3 Szenen bei großen Gruppen sind für komplexe Systeme wie D&D, Shadowrun und Splittermond genug (mit optionaler Endsequenz, die etwas ausführlicher ausfallen kann). Eine Gruppe von 5 Spielern braucht hier mindestens 45 Minuten pro Szene. Ein One-Shot mit 5 Szenen ist also nicht in 3 Stunden machbar.

Eine Gruppe aus 3 Spielern kann unter den richtigen Umständen (Erfahrung, Gruppenchemie, Regelfestigkeit) eine Szene in 15 Minuten lösen. Ein 5 Szenen One-Shot wäre also mit Einführung schon nach 1,5 Stunden vorbei und es bleibt noch Zeit für einen Zweiten.

Tipp 3: Plane die Szenen.

Kämpfe lassen sich gut abschätzen, wenn du in dem System erfahren bist. Hast du keine Ahnung, plane 1 Kampf fest ein und 1 Kampf optional. Rätsel können lange (oder sehr kurz) dauern und eventuell frustrieren. Plane höchstens 1 Rätsel für deinen One-Shot. Soziale Interaktionen können mit Fremden kurz ausfallen. Rechne nicht damit, dass sich auf einer Convention Spieler länger als 2 Minuten mit deinen NPCs unterhalten.

Trick: Such dir einen fertigen One-Shot aus und passe ihn an (meistens musst du nur kürzen). Im Internet gibt es dazu viele PDFs, z.B. vom GratisRollenspielTag.

Tipp 4: Plane mit Puffer!

Rechne am besten 20-25% Puffer ein. Z.B.: wenn du 4 Stunden Zeit hast, solltest du für 3 planen.

Trick: plane mit optionalen Szenen. Z.B: Ist die Gruppe schneller als gedacht im Ballsaal für die finale Konfrontation. Flieht der Graf und es schließt sich eine (vorbereitete) Verfolgungsjagd mit Limousine an. An deren Ende der Graf auf einer Brücke, statt im Ballsaal zur Rede gestellt wird.

Tipp 5: Achte auf die Zeit.

Lass eine analoge Uhr oder eine diskrete Digitalanzeige mitlaufen (Handydisplay nur im Notfall). Das hilft dir auf die Zeit zu achten, ohne dass es den Spielfluss unterbricht.

Sprich mit den Spielern vorher ab, was Ziel des Abenteuers ist (falls du das verraten kannst) und wie lange du spielen willst. Darauf kannst du danach wieder zurückkommen, falls du etwas kürzen oder überspringen musst.

Tipp 6: Speeeeeeed!

Zeit ist ein begrenzender Faktor. Lass deshalb alles weg, was Zeit kostet und nicht Teil des Abenteuers ist.

  • Spezial-Regeln? Erkläre ich, wenn es soweit ist!
  • Charaktere? Vorgefertigt!
  • Einführung in der Taverne? Ihr reist schon eine Weile gemeinsam und kennt euch.
  • Auftrag? Wurde bereits erteilt und ihr habt der Bezahlung zugestimmt!

Trick: bereite den Charakter mit männlichen und weiblichen Namen vor oder lege Namens-Tabellen bereit; verteile alle Skills und Attribute vorher, vergib ggf. einzelne Eigenschaften (Persönlichkeitsmerkmale) per Tabelle.

Tipp 7: Kommuniziere Grenzen.

Das ist schon allgemein sehr schwierig und nur weil wir Spaß haben wollen, ist es nicht einfacher. Mache vorher deine eigenen Grenzen klar, die Spieler sollten auch auf dich Rücksicht nehmen. Meist fällt es den Spielern danach leichter, auch ihre Grenzen zu benennen. Das macht es für dich einfacher, niemanden zu verletzen.

Werden Grenzen überschritten, ist es gut, Safety Tools zur Hand zu haben. Ich empfehle einfache und deutliche Safety Tools, die intuitiv verständlich und schnell erklärt sind, z.B. die X-Karte und Die Offene Tür.

Tipp 8: Vermeide sensible Inhalte.

Um Safety Tools erst gar nicht einsetzen zu müssen, überlege Dir gut, was du zum Thema machst. Auf Conventions kennst du deine Mitspieler und ihre Lebensgeschichte meistens nicht. Vermeide wirklich sensible Themen wie Gore, Vergewaltigungen, Abtreibungen, schlimme Krankheiten und Schicksale. Wenn es einen Pfeiler des Abenteuers bildet, dann behandle die Themen mit viel Fingerspitzengefühl. Wichtig: Das solltest du im Vorhinein transparent machen. Mach am besten vorher auch klar, wenn gegen Rieseninsekten und Spinnen gekämpft wird.

Bonustipp: Mach es dir einfach bei der Atmosphäre!

Requisiten sind cool, aber auch nur was für Menschen mit Freude am basteln. Suche Dir für jede Szene vorher ein Ambient-Mix aus. Nimm deine Bluetoothbox mit und spiele das Ambient leise im Hintergrund. Kommt in deinem Abenteuer ein Klopfen vor, schlage von unten gegen die Tischplatte. Wenn du Geräusche machst und unsicher bist, sag sie vorher an: „Die Leute sind begeistert von Amys Ansprache. Wohoo! Yeah!“ „Unheilvoll rasselt die Zugbrücke nach unten. Rrrrrh. Bonk!“

Veröffentlicht von jakob

schreibt auf kritischer-fehlschlag.de

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