Tallasin – das Making-Of (Teil 2)

Der kürzlich hier erschienene Setting-Band zu Sebas Rollenspiel „Gassenhunde“ war mein erstes größeres Layout-Projekt. In Teil 1 des Making-Ofs habe ich beschrieben, wie ich bei der Konzeption und Vorbereitung des Layouts für das Heft vorgegangen bin. In diesem, zweiten und abschließenden Teil geht es darum, die eigentlichen Inhalte ins Layout zu bringen.

Wer das Heft (und die Karte als Poster!) selbst in den Händen halten möchte, kann noch bis zum 14.06.26 eine Vorbestellung aufgeben. Ab insgesamt 50 vorbestellten Exemplaren wird es für Alle nochmal günstiger!

Textübertrag

Bisher hatte ich viel Detailarbeit in die Masterseiten gesteckt und nur einzelne Tests mit Blindtexten durchgeführt. Das war ehrlich gesagt relativ zäh, was vielleicht aber auch an meinem Lernprozess und -Tempo lag. Nun begann jedoch der befriedigende Teil der Arbeit. Das Projekt wuchs schnell zu einem richtigen Buch an. Die Stadtviertel sind grob nach ihrer Entfernung zum Kern der Stadt angeordnet. Das Inhaltsverzeichnis, wie es hier zu sehen ist, füllte sich übrigens dank korrekter Überschriftenstile am Ende automatisch. Zu den Atmosphäre-Anmerkungen in der Randspalte komme ich später noch.

Die Formatierung der Kapitel ist relativ unaufgeregt, mit den nach links versetzen Kapitelüberschriften wollte ich bewusst die Randspalte einbeziehen, um visuelle Abwechslung einzubringen und den Eindruck einer Korrekturspalte wie damals bei Klassenarbeiten zu vermeiden. Für die Info-Tabellen habe ich dann nochmal mit meiner ursprünglichen Überlegung zur Typografie gebrochen. Eigentlich sollte sich die serifenlose Alegreya nur in der schmalen Spalte finden, aber die Tabellen wirken mit ihr viel aufgeräumter und übersichtlicher. So wurde diese Schrift schließlich zum Symbol für alles, das etwas strukturierter und mehr nach Meta-Information aussehen sollte. Der in IM Fell gesetzte Teil des Textkörpers repräsentiert im Gegenzug den „fluffigeren“, atmosphärischen Inhalt.

Vielleicht ist es euch beim Lesen bereits aufgefallen: IM Fell besitzt keine Fettschrift. Wie bei Schriftarten dieser Epoche üblich, sind hier Hervorhebungen nur über Kapitälchen oder Kursiv-Setzung möglich. Ich finde das persönlich nicht optimal für die Lesbarkeit, bin hier allerdings einen Kompromiss zugunsten meiner gestalterischen Vision eingegangen. Außerdem ist die kurive Variante schon echt hübsch.

A propos Tabellen: Ich bin ausgesprochener Gegner von den typischen Office-Umkästelungen und gleichzeitig Freund*in von visueller Struktur zur Aufbereitung von Informationen. Jede Tabellenlinie, die weg konnte, flog also raus. Geblieben ist eine vertikale Trennlinie zwischen Zeilenüberschriften und jeweils eine Leerzeile zwischen den Zeilen, die sich dank der Führungslinien fast von selbst ergaben. Die Tabelle habe ich in Affinity als Asset hinterlegt, um so nicht jedes Mal von Neuem frimeln zu müssen.

Beispielseite, die die Nutzung der Randspalte und das Layout der Tabelle zeigt.

Marginalien und Karten

Nach dem Textübertrag machte ich mich an die Marginalien. Hier finden sich hauptsächlich zwei Dinge: Verweise auf andere Textstellen, beispielsweise zu im Text erwähnten Fraktionen, und Portraits von für das Stadtviertel relevanten NSCs wie Geschäftsleute oder Fraktionsanführer*innen. Die Portraits hat Frau Knurrkater wunderbar aus einem Guss gezeichnet, sie sind auch Teil ihres Portrait-Pakets auf itch. Die Kombination von Bildrahmen und -Unterschrift habe ich mir ebenfalls als Asset in Affinity hinterlegt.

Jeder Stadtteil hat eine Übersichtskarte zu Beginn des Kapitels, die im Text erwähnten markanten Orte sind dort mit einem Kürzel versehen. Diese Kürzel sitzen ebenfalls in der Marginalienspalte und sind so schneller beim Überfliegen des Textes zu erfassen, als wenn sie – wie beispielsweise bei vielen DSA-Publikationen üblich – in Klammern im Fließtext aufgeführt würden.

An drei Stellen im Startviertel Sonnenhafen (das ich auch selbst verfasst habe) habe ich Zufallstabellen eingebaut, um beispielsweise den Namen einer Hafenkneipe auszuwürfeln. Eine der drei Tabellen konnte ich sogar in der schmalen Spalte überbringen. Für die anderen beiden brauchte ich dank ausladender Inhalte sogar die komplette Seitenbreite. Auch bei den Stadtteilkarten musste ich teils kreativ mit dem Layout umgehen und habe mich auch sogar in den gefährlichen Bereich der Mitte zwischen zwei Seiten gewagt. Zu diesem Zeitpunkt stand die Gesamtzahl der Seiten und wir wussten, dass wir die Hefte sehr wahrscheinlich mit Klammerheftung (also getackert) ordern würden. Bei dieser Form der Bindung besteht ein vergleichsweise kleines Risiko, dass Inhalte in der Bindung verschwinden.

Für das Inhaltsverzeichnis habe ich mir noch eine feine Kleinigkeit für die Randspalte überlegt. Uns ist aufgefallen, dass jedes der Startviertel einen sehr eigenen Vibe aufweist. Um den Lesenden dies gleich zu Beginn und ohne große redaktionelle Einleitung deutlich zu machen, habe ich durch zusätzliche Leerzeilen im Verzeichnis etwas Luft gemacht und dann in jeweils zwei Marginalienzeilen die jeweilige Stimmung mit ein paar Schlagworten und einer Medienreferenz umrissen (siehe oben).

Spot Art

Der Text und alle Illustrationen mit inhaltlicher Relevanz waren nun im Layout und hier und dort fanden sich noch ein paar Lücken. Also entstand der Bedarf nach ein paar kleinen Illustrationen. Der schnellste Weg, das zu lösen, lag für mich in der Suche nach Bildmaterial über Städte und urbane Szenen aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. Da schlich sich eine blasse Erinnerung an einen Kunstdruck im Keller meiner Eltern ins Gedächtnis…

Vorhang auf für Matthäus Merian den Älteren. Ein Kupferstecher aus dem 17. Jahrhundert mit Schwerpunkt auf Stadtansichten und Landkarten. Wikimedia Commons hat eine umfangreiche Sammlung seiner Werke. Diese habe ich durchsucht und mir notiert, welche (Ausschnitte) wohl gut zu welchem Stadtteil und welche allgemein gut zu Tallasin passen würden. Dann flogen diejenigen mit unzureichender Auflösung wieder raus und schließlich nahm ich mir eine Handvoll Illustrationen zur Nachbereitung vor.

Mit mehr ziellosem Ausprobieren als handwerklich-fundiertem Abruf von Wissen habe ich es schließlich irgendwie geschafft, alle Bilder freizustellen und farblich anzugleichen. Wenn man genau schaut, kann man wahrscheinlich nachvollziehen, welche der Illustrationen ich zu Beginn dieses Prozesses bearbeitet hatte und bei welchen ich schon einen Trick mehr gelernt hatte. Für eine Szene musste ich außerdem auf einen Kollegen von Merian zurückgreifen, Johann Alexander Böner.

Titelei

Zu diesem Zeitpunkt steuerte das Projekt auf die 64 Seiten zu. Eine gute Zahl für Druck und Bindung, daher habe ich mich entschieden, keinen Nachsatz ans Ende des Dokuments zu setzen. Stattdessen gibt es vor dem eigentlichen Inhalt eine Doppelseite mit Impressum und Innencover und danach eine Doppelseite mit Vorwort und Inhaltsverzeichnis.

Impressum und Innencover gehen jeweils über die gesamte Seitenbreite. Das Impressum ist zweckmäßig in Alegreya gesetzt, da es ja Meta-Informationen enthält. Beim Innencover hingegen habe ich wieder ganz der historischen Inspiration hingegeben und alles aus meinen Textsatz-Skills herausgeholt, was ging. Ich mag diese Seite sehr, aber wie schon in Teil 1 erwähnt, ist so ein Titelblatt nicht mehr zeitgemäß, wenn es um das Vermarkten eines Buches geht.

Ich prokrastinierte das Thema „Cover“ also weiterhin und widmete mich zunächst dem Inhaltsverzeichnis (siehe oben) und fragte Seba noch nach einem kleinen Vorwort, das dieser prompt lieferte.

Cover

Schließlich blieb mir dann nichts weiter übrig, als doch noch das Cover zu gestalten. Als erstes schaute ich wieder bei Texturelabs nach passenden Stoff- und Ledertexturen und holte mir Feedback der anderen dazu. Dann schaute ich mir noch mehr alte Bücher an und entwickelte die Idee, die zeitgenössischen Ornamente zu einem zentralen Gestaltungselement zu machen. Nach Sichtung einiger Tutorials, um Gold-Effekte in Affinity abzubilden, strich ich die Idee mit der künstlichen Vergoldung ganz schnell wieder, meine Suche nach Gestaltungselementen wandelte sich in Richtung Prägungen oder Kupferstiche.

Openclipart erwies sich als große Fundgrube, sobald ich die richtigen Suchbegriffe raus hatte (die ich mir natürlich nicht notiert habe, somit ging dieses arkane Wissen alsbald wieder verloren). Ich habe mit verschiedenen ornamentalen Rahmen experimentiert und war zunächst bei Blackwood Castle als Schriftart, die zugunsten der kursiven IM Fell schließlich wieder verworfen wurde. Eine Illustration sollte für die Schaufenster-Attraktivität auch noch drauf, die ich aus einer farbigen Zeichnung Merians provisorisch herausgeschnitten hatte. Unten seht ihr ein paar verworfene Entwürfe.

Beim letztendlich verwendeten Rahmen schnitt ich das Bild rund zu und erhielt sofort positive Rückmeldungen. Blieb noch das Thema der Leserlichkeit. Der Lederhintergrund war sehr dunkel und die Schrift sollte schwarz bleiben, wenn ich schon keinen hübschen Goldeffekt zustande bringen würde.

Es folgte eine Phase des wilden Herumprobierens mit Filtern und Effekten, die ich im Nachhinein leider nicht genauer beschreiben kann. Das Meiste bekam „Kanteneffekte“ als Ebenenfilter in Affinity spendiert, die Schrift zusätzlich einen leichten Schein nach außen. Den Lederhintergrund habe ich ganz leicht aufgehellt, um dem entgegen zu kommen. Die Illustration habe ich außerdem ein klein wenig verrauscht, um dem Vintage-Thema gerecht zu werden. Heraus kam das Coverbild, das heute das Tallasin-PDF ziert.

Fazit

Ich könnte hier noch über die Untiefen des PDF-Exports lamentieren, aber das sind eher langweilige technische Themen. Letztendlich habe ich durch dieses Projekt eine Menge über Layout in Theorie und Praxis gelernt und bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Wer weiß, vielleicht bastele ich aus der verworfenen Idee des 2-in-1-Buchs mit Setting und Abenteuer noch ein Layout-Template für Community-Publikationen rund um Gassenhunde bzw. Tallasin. Aber zunächst läuft die Vorbereitung für den Druck des Heftes.

-kiki

Ein Kommentar zu “Tallasin – das Making-Of (Teil 2)

  1. Einfach ganz toll was da geschaffen wurde. Als du dich damals vom Ptolus-Layout inspirieren ließ, war es bereits um mich geschehen. Du hast sa wirklich was tolles geschaffen, vielen lieben Dank dafür und für das grandiose Making-off

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