Hier sind wir nun also angekommen. Der letzte Beitrag zu dieser wahrhaft epischen Kampagne. Es war ein absolut wilder Ritt. Während ich den Beitrag schrieb, versuchte ich natürlich alles aus meinem Gedächtnis herauszuholen. Aber auch emotional konnte ich mich nochmal ordentlich drauf einlassen. Ein passendes Ende zu finden ist immer eine große Herausforderung und ich hoffe, ihr werdet nicht enttäuscht sein. Meiner Spielgruppe und mir erschien diese Ende sehr passend und niemand trauert einer verpassten Chance hinterher. Am Ende gibt es ein PDF zum Download, dessen Inhalt gab es damals als Präsentation mit der unten verlinkten Musik. Für uns war es ein besonderer Abschied von vielen Figuren, die uns über drei Jahre begleitet haben.
Session 75: Der Ruf des Amarandlon
Und bereits hier verlässt mich mein Gedächtnis. Aus Gründen, die ich heute nicht mehr erahnen kann, hatte die Gruppe jenes magische Buch bei sich, welches der Frostelf Malekith im Besitz hatte und für den Tod von Nikanor verantwortlich war (siehe Session #9): Das Zauberbuch eines mächtigen Magiers namens Amarandlon. Sie hatten es im Besitz, das war sicher.
Nach den letzten Kämpfen gegen Wesen der kosmischen Ordnung und des Chaos zog es die Gruppe nach Norden. Dort verlief das Tal des Feuers spitz zu und ging in schroffe Berge über. Die meiste Zeit verbergen sie sich hinter Illusions- und Unsichtbarkeitsmagie um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie wussten, die Entscheidung im Tal würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Bald würde sich Choral mitsamt seiner Drachen ins Geschehen werfen.
Sie vernahmen alle einen leisen Ruf, der ständig lauter wurde. Ein drängender Ruf. Es war das Buch des Amarandlon. Von diesem, so wussten die Helden es von Malekith, hieß es, er hätte die Frostelfen nach Golarion geführt. Ein mächtiger Urahn aller Frostelfen und hier, im Tal des Feuers, wurde seine Stimme das erste Mal seit vielleicht Jahrtausenden wieder erhört. Es begann eine kleine Questreihe um der Stimme zu folgen. Die Helden wurde schließlich zu einem nur schwer zugänglichen Pass geführt. Von dort sahen sie eine unmögliche Konstruktion inmitten des Eises: ein halb im Berg begrabener Turm, überzogen vom ewigen Eis. Sie waren am Ziel, doch noch wussten sie noch nicht, was sie hier erwarten würde.
Session 76: Der Turm des Amarandlon
Die Helden konnten mit ihren Fähigkeiten schließlich den Eingang in diesen Komplex ausfindig machen und durchschreiten. Im Innern wurde ihnen das wahre Ausmaß zum Teil gewahr, denn es musste sich hier um eine ganze Festung handeln statt eines einzelnen Turms. Alsbald erreichten die Helden das Zentrum – eine mächtige Kristallkuppel, schon vor langer Zeit zerbrochen. Doch noch immer spürten alle die mächtige Magie des Ortes.
Schließlich offenbarte sich Amarandlon den Helden. Er hatte diese Festung erschaffen und das Volk der Frostelfen dereinst vom Planeten Triax mittels mächtiger Magie nach Golarion gebracht. Die Frostelfen standen kurz davor versklavt zu werden. Diese Festung war eine mächtige Waffe und der mächtigste Schutz für sein Volk. Er selbst musste seine sterbliche Hülle aufgeben um den Kern der Festung mit Energie zu versorgen. Amarandlon selbst sei nicht mehr in der Lage, die mächtige Waffe gegen die Triaxianer ins Feld zu führen. Wenn sich einer der Helden opfern würde, dann würde er als Bewusstsein der Festung weiterleben und würde Herr über all ihre Geheimnisse, Waffen und Schutzzauber werden.
Die Gruppe befand sich vor einem schier unlösbareren Dilemma. Sie wussten zwar, dass sie hier alle Ressourcen und Möglichkeiten im Kampf gegen Choral aufbringen mussten, doch der eigenen Existenz zu entsagen, erforderte ein gänzlich neues Niveau an Tugendhaftigkeit. Für solch ein Opfer kam nur einer der Helden in Frage. Hätte er Wimpern gehabt, so hätten sie nicht einen Moment gezittert oder gezuckt. Quon Jörn war bereit die letzte Reise seines Lebens zu gehen um als ultimatives Werkzeug seiner Göttin Rache zu üben. Rache für all die Toten und Leidenden – egal in welcher Zeitlinie.
Und so begab sich Quon in die zersprungene Kristallkuppel und stürzte sich in die darunter liegenden Tiefe. Dort wurde er eins mit dem wahren Herzen der Festung.
Die Kuppel fügte sich selbst wieder zusammen und zuerst sanft, dann immer stärker begann der Boden der Festung an zu vibrieren, regelrecht zu beben. Die Helden konnten sich nur schwer auf den Füßen halten, es schien als würde der Berg die Festung unter sich begraben wollen.
Die Bastion war erwacht. Nach Jahrtausenden bebte sie vor magischer Energie und erhob sich. Der Berg zerbarst unter der Kraft und gab frei was verborgen war: eine gewaltige Festung mit vier Ecktürmen und dem gewaltigen zentralen Hauptturm. Uralte Schutzsymbole flammten auf und in den Eingeweiden der Festung luden sich mächtige Waffen dröhnend auf. Die Helden begeben sich auf eine Aussichtsplattform und mussten mit Schrecken, Verwunderung und Ehrfurcht mitansehen, wie die Bastion sich in die Luft erhob.
Session 77: Alles auf Anfang
Für diese letzte Session hatte ich einen gewaltige Battlemap erstellt, Maßstab groß, sodass sowohl die ganzen Armeen Platz darauf fanden, wie auch die Festung und alle mächtigen Kreaturen, die an diesem Kampf teilnahmen. Es war recht imposant und vermittelte den Spielern die wahren Ausmaße dieses Konfliktes.
Die Bastion setzte sich in Bewegung nach Süden. Während alle für sich in Gedanken verloren waren, konnte Ambrash die Stimmen der Älteren bereits vernehmen. Schon bald würde das Tribunal über sie und Zuddiger urteilen. Das Herz drohte in der Brust zu bersten. Die letzten Stunden an der Seite ihres Liebsten waren angebrochen.
Obwohl niemand sie direkt steuern konnte, schien die Bastion genau zu wissen, was zu tun war. Vielleicht war es Einbildung, doch der eine oder andere schien ab und an den spöttischen Unterton des Quon zu vernehmen.
Dann endlich kam das Zentrum des Tals in Sicht. Und dort zeigte sich ihr Widersacher zum ersten Mal. Dieser Feind im Geheimen war nun endlich aus den Schatten getreten. Ein gewaltiges Herr aus Triaxianern und Menschen am Boden und eine Vielzahl an Drachen jeglichen Alters am Himmel. Die Bastion setzte eine mächtige Waffenbatterie ein, die nicht anders genannt werden konnte als Meteor-Kanonanden. Aus Röhren unterhalb der Bastion wurden mächtige Felsbrocken explosionsartig hinaus geschleudert uns schlugen wie Meteoriten im die Feinde ein. Quon überzog den Feind mit einer wahre Apokalypse, dem wahrgewordenen Zorn einer Göttin.
Schließlich betrat Choral das Schlachtfeld. Und noch nie hatte sich jemand so geirrt, wie es die Helden all die Zeit getan hatten. Denn Choral war weder ein Sterblicher, noch war er ein Drache. Das Wesen, das vor ihnen in der Luft schwebte, war von so urtümlicher, kosmischer Macht, dass der Mut sie zu verlassen drohte.
Die Gestalt des Choral war nichts anderes als die Hülle eines korrumpierten Pleroma, dem mächtigen der Aion. In dem Köpfen der Helden dröhnte die Stimme dieses Wesens. Worte und Sprache waren dieser Kreatur keine bekannten Konzepte, doch es vermittelte Bilder der puren Zerstörung. Eines Kosmos, der aus dem Gleichgewicht geraten wird. Ein Wesen, das sich selbst als Gottheit einer sterbenden Welt erheben will.
Es knallte ordentlich am Tisch. Auf beiden Seiten waren sehr viele magische Effekte aktiv, vieles musste beachtet werden.
Der Pleroma schuf eine alles vernichtende Sphäre, welche sich gnadenlos durch die Bastion fressen sollte. Ausgestattet mit magischen Sprüchen flogen Padrym und Farli durch die Luft um Choral im Nahkampf zu beharken. Dann entlud die Bastion ihre mächtigste Waffe: eine eigene Sphäre der Auslöschung! Gesteuert durch den Willen von Quon versuchten die Helden sich an einen waghalsigen Plan: Sie beabsichtigten beide Sphären miteinander kollidieren zu lassen um somit ein Riss im Gefüge zu schlagen, damit alles in unmittelbarer Nähe davon eingesogen und vernichtet wurde!
Ein Plan, bei dem sehr schnell einer oder mehrere der Helden für immer vernichtet werden konnte. Während die Armee unten um ihr Leben und Existenz kämpften, fochten die Helden oben in den Lüften um das Schicksal Golarions.
Die Bastion, bereits schwer beschädigt und in Schieflage, steuerte Kollisionsflug Choral und die beiden Zwerge an und inmitten dieses Pulks geschah dann das Wunder. In einer gleißenden Explosion prallten beide Sphären aufeinander. Nach dem Licht frass sich eine übernatürliche Dunkelheit in den Realraum und verschlang alles um sich herum. Die Bastion hörte zum großen Teil einfach auf zu existieren und sank dem Boden entgegen. Die übrigen Helden konnten sich retten, während das Wesen namens Choral in den dunklen Kosmos gezerrt und von den kosmischen Kräften vernichtet wurde.
Brevoy und womöglich ganz Golarion war gerettet. Das Heer von Choral zerschlagen, die Schattenportale ihrer Energie beraubt. Der Kampf war zu Ende.
Die Helden steuerten mit den Resten der Bastion der Erde entgegen und mit einer gewaltigen Bruchlandung waren auch sie zurück gekehrt. Lange Zeit herrschte Schweigen, als die Gruppe an all die Toten dachten und ihre Liebsten und Familien. Dann sprach Ambrash, es sei nun so weit. Sie wären gekommen.
Die Welt verschwamm erneut und plötzlich befanden sich alle auf einer Wiese, umgeben von hohen Menhiren und in Schatten gehüllten Gestalten. Die Ältesten der Ersten Welt. Ein Urteil wurde gesprochen, die Sterblichen hatten an kosmischen Regeln manipuliert. Die Ebene der Zeit hätte nun genug gelitten, die Einmischung der Sterblichen hätte nun ein Ende.
Und so Endete es. Der Anfang und das Ende. Dieses Mal jedoch kein Kreislauf, sondern ein Neubeginn.
Und zum Abspann hört ihr dann diese Musik bitte an!
-grannus-