Nummer 5 wird Sie überraschen!
Gut, genug Clickbait. Inspiriert durch die aktuelle „Ausgefragt„-Folge von Stay Forever ging mir der Titel dieses Artikels durch den Kopf. Da ich selbst, insbesondere in den kälteren Jahreszeiten, ein sehr nostalgischer Mensch bin, kann ich endlich mal wieder meine Keule auspacken und heftig auf meinen Hippocampus draufhaue und meine Amygdala zwicke. Auf geht’s!
1. Lesen und Stöbern ohne Internet
Wohl eine der Klassiker als Antwort. Früher, ohne das Internet von heute, fühlte es sich noch aufregend an, in dem Buchladen zu gehen um sich überraschen zu lassen. Ich habe prägende Erinnerungen daran, wie ich auf diese Weise Das Lied von Eis und Feuer, Coruum, Das Licht der Phantasie und die Romane von R.A. Salvatore entdeckte und verschlang. Als hätte ich einen geheimen Schatz gefunden, der an allen anderen vorüber ging. Heute bin ich über vieles direkt informiert. Erscheinungstermine, Rezensionen und ermüdende Diskussionen. Dazu noch ungefragte Videos auf YT und sonst wo. Bücher sind analog und waren damals eine analoge Angelegenheit. Vollumfänglich. Kein Amazon, einfach ein Ladengeschäft und das Vorhaben „Heute möchte ich mir ein Buch kaufen“.
2. Mehr Zeit zum Lesen und tiefer hinab tauchen in die Phantasie
Der nächste Klassiker. Früher hatte man keine eigene Familie, keinen Beruf oder insgesamt einfach mehr Zeit für alles. Doch neben dem Aspekt der Zeit fürs Lesen, sind auch die Umstände anders geworden. Die Fähigkeit der Immersion ist etwas verloren gegangen. Sich dem Buch völlig hingeben können ist weitaus schwierig geworden. Im Hinterkopf ist halt doch immer das nächste to do oder man gönnt sich nur zehn Minuten um ein paar Seiten zu lesen. Doch im Alltag mit drei Kindern und Paarzeit ist es gar nicht anders möglich.
3. Mehr Spaß am Fandom
Jetzt geht es mal in die Materie rein. Fandom habe ich phasenweise stark ausleben können. Sowohl alleine für mich als auch mit Gleichgesinnten über Foren, Briefe, Magazine oder Veranstaltungen. Das Vernetzen mit anderen Menschen, die für das gleiche Hobby glühen, war eine lange Zeit sehr cool. Mit vielen war ich auf einer Wellenlänge. In meinen jungen Jahren fiel es mir wahnsinnig leicht, für etwas so richtig zu brennen und all-in zu gehen. Heute wäge ich ab. Sowohl wegen der Leute als auch dem Investment. Das ist wirklich schade. Fandom ist meiner Meinung nach in vielen Bereichen schlecht gealtert. Bestes Beispiel aus meinen Erfahrungen: Midgard. Vor 20 Jahren hätte ich da gut einsteigen können, kannte da ein paar echt nette Leute. Die gleichen Leute sind heute ziemlich … gleich geblieben. Midgard wirkt auf mich wie wie eine verschlossene Gesellschaft. Dagegen ist Runequest Glorantha ein Quell der Offenheit. Mit welcher Welt werde ich mich wohl mehr beschäftigen?
4. Lesen in den 2000er Jahren
Ich bin Jahrgang 1986, dementsprechend hatte ich Anfang 2000 ein tolles Alter um vollends in den Kosmos der Phantastik einzutauchen. Der Herr der Ringe kam in die Kinos, der Büchermarkt wurde von einer langanhaltenden Welle an Fantasy-Romanen geflutet. Ich konnte mich in alle Richtungen bedienen, habe an den schönsten Orten lesen dürfen und hatte einen besten Freund mit dem ich nachmittags ein gutes Buch und eine Flasche Berentzen teilen konnte. Es war eine wilde Sturm und Drang-Zeit, wo sich viele Einflüsse vereinigten. Literatur Magazine, Musik, Alkohol – würde ich so heute nicht mehr wollen, aber damals war es magisch.
5. Kataloge von Heyne und Cover-Art als Vorfreude
Zum Abschluss noch etwas Nettes. Kannten ihr doch mit Sicherheit auch oder? Diese kleinen Heftchen mit Informationen zu Autoren, deren Werke im Verlag und ganz vielen Covern mit beschreibenden Sätzen? Ich weiß noch genau, wie ich vor diesen Katalogen saß und mir ausgemalt habe welche gigantischen Buchreihen und Sammlungen die ich mir nacheinander zulegen wollte. Ob Star Wars, Midkemia, Das Spiel der Götter – wegen diesen kleinen Katalogen leuchteten meine Augen wie damals als kleines Kind.
Und wie sieht es bei euch aus? Gibt es etwas, das ihr beim Lesen vermisst? Oder hat sich bei euch alles weniger stark verändert? Wie habt ihr euch und eure Bedürfnisse angepasst?
-grannus-
Ja, die Welt war interessanter, als man noch nicht dank Internet alles über alles wusste.
Beispiel Conventions/Messen: Wenn ich heute an den Stand von einem Rollenspiel-Verlag gehe, weiß ich ganz genau, was da liegen wird. Keine Überraschungen, kaum Gespräche über Inhalte, weil hab ich ja alles schon gehört/gelesen.
Man ist da natürlich auch selbst Schuld dran, aber es fällt schwer, Infos zu ignorieren, wenn sie ja nunmal da sind.
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Es war noch nie so einfach an Informationen zu gelangen, oft erhält man sie sogar ungefragt. Wir lesen alle schneller ein paar Zeilen, bevor wir reagieren können und „DAS MÖCHTE ICH GSR NICHT WISSEN!“ rufen können.
Manchmal denke ich mir, dass durch das ändern des eigenen Verhaltens ein bisschen Magie zurück kehren könnte.
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