Ich habe vor kurzem meinen Partner beim Leiten einer englischen Runde BtW für ein paar Neulinge erlebt. Ich war nicht Teil der Runde, was mir ganz gelegen kam, denn so konnte ich ein wenig vom Seitenstreifen aus einen anderen Spielleitungsstil beobachten.
Dieser Beitrag ist nicht über diesen Stil, über meinen Stil und auch keine TOP 10 der besten Spielleitungsstile in TTRPGs. Dieser Beitrag behandelt eine Erkenntnis für mich, die eigentlich auf der Hand liegen sollte und mir dennoch immer wieder entfleucht.
Die Handlung war schon immer da.
Sie wird spielerisch entdeckt.
Die SL erschafft sie nicht.
Der Spieltisch verändert sie nicht.
Was gemeinsam erlebt wurde, war die Handlung.
Vor allem Online ist der Diskurs der Definition von TTRPGs meistens geprägt von:
- [DAS] ist kein Rollenspiel, [DIES] ist!
- [SO] kann Rollenspiel nicht funktionieren, es braucht [SOWAS]!
- Wer [DIES] mag, ist kein richtiger Rollenspieler!
Was Rollenspiele angeht haben im Grunde alle, die Online das Keyboard in die Hand nehmen, eine außerordentlich ausformulierte Meinung. Nehmt euch da nicht raus, ihr lest diesen Blog und macht euch gerade eure ganz eigenen, schlüssigen Gedanken zu dem Thema.
Mir ist es aber mittlerweile egal, welche Reinheitstests oder Tugendsignale manche Online-Communities (und selbst solche IRL) sich gerne wünschen würden, um endlich den Rollenspiel-Messias auf Erden zu bringen. Ich will mich an diesen Beitrag erinnern, wenn ich dem Hobby wieder fröhne. Ich will mir meine Worte hinter die Ohren schreiben:
Die Handlung war schon immer da.
Sie wird spielerisch entdeckt.
Die SL erschafft sie nicht.
Der Spieltisch verändert sie nicht.
Was gemeinsam erlebt wurde, war die Handlung.
Bis dahin!
~ Eure Ölbaumpflanze
Danke dafür, find ich einen seeehr guten Gedanken.
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Wir haben darüber auf Discord ein bisschen geredet. Ich möchte mal kurz wiedergeben, was ich dort schrieb, damit es diesem Beitrag zugeordnet bleibt:
Die Schere zwischen „so dachte ich, dass die Runde läuft“ und „so ist die Runde gelaufen“, hat mir in meiner Frühphase der Spielleitung viel Kopfzerbrechen und Selbstzweifel bereitet. Es hat mehrere Jahre gedauert, bis ich wirklich verinnerlicht hatte, dass es nicht primär um erwartbare Ergebnisse geht. Und manchmal tappe ich in die Falle immer noch. Was der Inhalt, Ton und der Verlauf des Abenteuers ist, weiß man immer erst hinterher.
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Ich finde Seba’s Idee, auch Gedanken aus Discord hier nocheinmal wieder zu geben gut. Hier ein Post von mir:
Meine Erkenntnis (oder was ich zu beschreiben versuchte) basiert darauf, dass es mMn gesünder ist das tatsächliche Geschehen am Spieltisch als die „Handlung“ zu betrachten, anstelle von der Prepwork der SL oder den Vorgaben des Abenteuers.
Die „Handlung“, also das gemeinsame Spielerlebnis, ist mMn das Endergebnis und nichts, was man direkt beeinflussen kann egal wieviele Haare und Beine man sich dabei ausreißt. Die SL kann natürlich zB Prepwork machen, Pläne die sich bei Kontakt mit den Spieltischen binnen Minuten verändern müssen oder zerplatzen.
Aber weder Prepwork/Pläne der SL oder die der Spieltische sind mMn die allseits ersehnte „Handlung“ eines Spielabends. Die Erlebnisse sind die Handlung und das passiert immer im Zwischenspiel bei Tisch.
Anders beschrieben könnte ich auch sagen: Wir finden (spielerisch) gemeinsam heraus, was wirklich passiert ist.
Das gleicht für mich bei Tisch mittlerweile vielmehr einer Art kreativer Naschforschung/Ermittlung (durchsetzt mit Humor und Pizza) als einem Impro-Theater.
Letzteres aber vermutlich auch weil ich auch bei Impro-Theater immer noch zu oft gewisse Zwangsempfinden habe, es müsse jetzt gut rüberkommen oder besser sein als ich es hinbekommen habe.
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