A-bloody-or-not-so-bloody-crime-scene 2026 – Teil 21 (Gefestigt, bis dass der Tod uns scheidet)

Schon früh in meiner Beschäftigung mit dem Dreißigjährigen Krieg kam der Begriff der Gefrorenen & Festen in mein Sichtfeld. Hier habe ich mir dazu mal Gedanken gemacht. Mit dem heutigen Material möchte ich diesem Aberglauben gerecht werden.

Die zweite Inspirationsquelle ist wesentlich schwieriger herauszulesen, daher ein Hinweis dazu: Es handelt sich um eine Horror-Geschichte aus dem Jahr 1995, welche ganz hervorragend den psychologischen Terror darstellt, der durch emotionale Isolation entsteht.

Schauplatz dieses Lagers ist das Trosslager eines beliebigen Heeres. Da der Tross einer wandelnden Stadt gleicht, kann dieser Schauplatz überall auf der Karte eingesetzt werden. Von all meinen Beiträgen diesen Monat ist dieser hier am ehesten ein Flickenteppich und nicht vollständig ausgearbeitet. Die geneigte Spielleitung muss etwas mehr Arbeit hineinstecken, um diese düstere Geschichte für dem Spieltisch aufzubereiten.

Triggerwarnung: Das Schicksal und Leid von Frauen im Dreißigjährigen Krieg. Ich werde nicht explizit, doch kann dieses Thema einen sehr beschäftigen.

Die Situation

Der Profos Matthias und der  Hurenweibel Gustav sind überfordert. Im Tross ihres Heeres wurde eine gar schändliche und grauenvolle Tat begangen. Es handelt sich jedoch nicht um eine alltägliche Tat und selbst den hartgesottenen Söldnern fehlen die Worte.

Angeklagt sind die Trossfrau Mechthild sowie der Geistige Vater Bernhard. Gemeinsam haben sie den Ehemann Rudolf an ein improvisiertes Kreuz geschlagen. Nähere Informationen zur Tat folgen weiter unten. Das Lager ist unruhig. Eine Kreuzigung in einer religiös sehr aufgeladenen Personengruppe, gemischt mit Aberglaube, Überforderung und der Beteiligung eines Mitglied des Klerus – dazu einem Opfer, dem keiner eine Träne hinterher weint.

Ein Prozeß steht an, ein Urteil muss gefällt werden. Die Spielfiguren können die Waage der Justitia in beide Richtungen kippen.

Das Opfer

Rudolf Steiger dient bereits seit zehn Jahren auf allen Seiten des Krieges. Während der Magdeburger Hochzeit wurde er schwer verletzt und wurde zur Pflege in einem Bürgerhaus untergebracht. Dort traf er auf einen Arzt und Astronom, der ein glühender Anhänger des Cometa Tenebrarum war und Rudolf in die Geheimnisse dieser kosmischen Macht einführte. Der Söldner schloss den Pakt mit diesem Patron und lebte seither als überzeugter Diener des Chaos. Dies ging natürlich auch mit einer Persönlichkeitsveränderung einher, worunter sein gesamtes Umfeld und insbesondere seine Ehefrau Mechthild zu leiden hatte.

Im Verlauf der Ermittlungen können die Spielfiguren unter Umständen diese Entwicklung und die Auswirkungen rekonstruieren.

Das wahre Opfer

Mechthilds Schicksal ist ein furchtbares und ein Synonym für all das Leid während des Krieges. Drei Jahre vor der Magdeburger Hochzeit wurde sie von Rudolf als Beute entführt und in den Tross reingepresst. Sozial und wirtschaftlich völlig entwurzelt, misshandelt und zum Gehorsam gezwungen, blieb ihr am Ende nichts übrig als diese Zwangspartnerschaft auszuhalten. Sie begehrte niemals auf (Wofür und wogegen?), unternahm nie einen Fluchtversuch (Wohin denn auch?) oder suchte Hilfe in den Armen eines anderen Mannes (Ich bin sowieso für niemanden gut genug).

Sie lebte ihr graues und grausames Leben stoisch, stumpfte immer weiter ab und hielt Körper und Geist mittels Alkohol und Rauschmittel am Leben. Die Schikanen und Gewalt nahm kein Ende und irgendwann reifte in Mechthild der Gedanke, ihren Gatten zu töten. Sie legte dabei die gleiche Leidenschaftslosigkeit an den Tag wie bei allen anderen Tätigkeiten. Sie zermahlte Glas- und Metallsplitter und rührte es in Brot und Brei. Sie selber aß nie im Beisein ihres Peinigers.

Als Rudolf nach Magdeburg schwer verletzt da lag, dachte sie bereits, er würde nun sterben. Doch die Pflege dieses seltsamen Mannes ließ den Söldner wieder erblühen. Sie verlor schließlich jeglichen Gedanken an den Tod ihres Mannes.

Der Beichtvater

Vater Bernhard trat unverhofft in das Leben der geschundenen Frau. Als Priester auf dem Schlachtfeldern Europas hatte er viel mit angesehen. Der Mensch stand für ihn dabei stets im Mittelpunkt der Gräuel. Übernatürliches sah er dabei nie. Bis zu jenem Tag, als er in einer Schlacht auf einen Mann traf, der von einer aufspringenden Kanonenkugel getroffen wurde. Während die Luft erfüllt war von Rauch, Schreien, abgetrennten Gliedmaßen und splitternder Ausrüstung, stand dieser Mann unverletzt wieder vom Boden auf und stürzte sich wie ein Teufel in die Schlacht.

An jedem Tag wurde dem Priester bewusst, daß es mehr zwischen Himmel und Hölle geben musste. Denn dieser Mann war weder ein Heiliger, noch ein Diener des Teufels. Von jenem Tage an beobachtete der Priester diesen Söldner jeden Tag und richtete auch seine Lagerstätte im Tross in der Nähe ein. So kam er in Kontakt mit Mechthild und konnte nach und nach zu ihr durchdringen.

Die Erlösung

Es sollte Monate dauern, bis der Geistliche das wahre Ausmaß erkennen konnte. Gespräche mit Mechthild und anderen Söldnern,  das Tagebuch von Rudolf mit all seinen bizarren Einträgen, sowie das kleine Pamphlet zum Cometa Tenebrarum. Das alles gepaart mit dem Aberglauben um die Gefestigten, welche gegen normale Waffen unverwundbar sein sollen – Vater Bernhard erkannte, dass er nur mit göttlichem Beistand diesem Ungeheuer ein Ende bereiten konnte.

Er nahm die lebensgefährliche Reise zum nächsten Bischofssitz auf sich, forderte viele Gefallen ein und ließ vier Klingen durch den Bischof segnen. Diese sollten ìn der Lage sein, die Kräfte dieses unheiligen Paktes zu durchbrechen

Als die Tat schließlich begangen wurde, überraschten die beiden Rudolf und stachen ihn zuerst hinterrücks nieder. Anschließend trugen sie den schwer verletzten und bewusstlosen Söldner in das Zelt des Geistigen, wo ein improvisiertes Kreuz wartete. Aus Angst, das Monstrum in Menschengestalt könnte erneut zu unheiligen Leben erwachen, schlugen sie die Dolche durch das Fleisch in das Holz und hielten eine Messe ab, um selbst Vergebung für ihre Tat zu erbitten.

Und so wurden die beiden am nächsten Morgen aufgefunden: Vor dem am Boden liegenden Kreuze betend, der Söldner tot und kalt darauf niedergestreckt.

Das Urteil

Die beiden Offiziere sind ratlos ob dieser Tat und sind effektiv auf die Unterstützung der Spielfiguren angewiesen.

Mit jedem verstreichenden Tag besteht eine 2:6-Chance, dass es zu Unruhen im Lager kommt. Diese münden schließlich am darauffolgenden Tag in gewalttätigen Handlungen. Sollte dieser Fall eintreten, so steht zum Höhepunkt der Gewalt der Cometa Tenebrarum am Himmel um diesen Spektakel beizuwohnen.

Wird ein Urteil zugunsten der Angeklagten gesprochen, so bieten diese ihre Dienste als Gefolgsleute an, wobei Vater Bernhard ein Kleriker der Stufe 2 ist.


So, das waren meine Beiträge von mir für diesen August. Freut euch auf weitere tolle Beiträge und Highlights – wir lesen uns wieder am 1. September!

-grannus-

Veröffentlicht von grannus

Über mich kannst du auf dem Blog unter "Team" lesen. Ansonsten bin ich am liebsten Papa, Autor und Spielleiter.

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